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Websitegestaltung in Zeiten von Big Data

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Eine klare Trennung von Daten (Inhalte) und Form (Website und andere Ausgabekanäle) ist das primäre Ziel einer modernen Websitegestaltung.

Der Relaunch einer Website ist ein Dauerthema: Nach dem Relaunch ist vor dem Relaunch, könnte man meinen. So schnell geht die technische Entwicklung, so dynamisch werden die Ausgabemedien: Mobile first, responsive Webdesign und jetzt auch noch Sprachassistenten, Touchscreens in Tourist-Infos. Die Fülle an Ausgabegeräten ist schier unendlich und erfordert jedes Mal wieder viele und umfassende Anpassungen. Während all diese Ausgabekanäle zwar diskutiert werden, liegt in der täglichen Arbeit der Fokus oftmals noch auf der Website. Auch beim Thema Datenmanagement wird sehr einseitig gedacht und die Daten genau für diesen einen und vermeintlich zentralen Kanal vorbereitet. Warum dies zu kurz greift, wird nachfolgend erläutert.

Google, die Antwortmaschine

Das Ziel, das viele touristische Anbieter mit einer Website verbinden ist, dass sie möglichst viel Sichtbarkeit im Web erhalten möchten. Dafür muss neben dem Design einer Website auch die Suchmaschinenoptimierung bedacht werden. Die Herausforderung dabei ist, dass auch die Suchmaschinenoptimierung sehr dynamisch ist und sich ständig ändert. Google zeigt in den Suchergebnissen längst nicht mehr nur einfache Linklisten. Schon seit geraumer Zeit werden in den Suchergebnissen je nach Anfrage auch Bilder, Videos usw. ausgespielt. Der nächste Schritt, den Google nun geht, ist, dass sie in die Ergebnisse die Antworten zu einer Suchanfrage direkt integrieren. Google versucht dabei aus der Anfrage den Sinn zu erkennen und dann einzelne Bausteine aus Websites herauszulösen und einheitlich in den Ergebnissen anzuzeigen. Wenn jemand also eingibt: „Veranstaltungen Wolfenbüttel“, dann wird mittlerweile eine Liste mit Veranstaltungen angezeigt, die vom Nutzer direkt nach Datum gefiltert werden können – ohne den Umweg über etliche Websites der Veranstalter selbst.

Das Internet wird kopflos

Diese Entwicklung, die Google hier vorantreibt, nennt sich auch „Headless Web“. Dieser Begriff bezieht sich auf eine Trennung von Inhalt und Ausgabekontext. Das Internet wird in gewisser Weise kopflos, da der Datenkörper zwar bestehen bleibt und jeweils zentral von einem Betreiber (bspw. einem Hotel) verwaltet wird, aber die Ansicht, in der die Daten dann zum Nutzer kommen, kann sehr unterschiedlich sein. In der Konsequenz bedeutet dies, dass Daten zunehmend mit denen aus anderen Quellen vermischt werden und je nach Bedarf aus den Websites herausgelöst werden. Wie diese Entwicklung aktuell schon aussieht, zeigt sich, wenn nach „Sehenswürdigkeiten Lüneburg“ (s. Grafik unten) gesucht wird. Google zeigt dann unterschiedliche Google My Business Einträge von Attraktionen wie dem Deutschen Salzmuseum, dem Wildpark Lüneburger Heide oder dem Schiffshebewerk Lüneburg-Scharnebeck an. Auf der rechten Seite finden sich eine Karte sowie ausgewählte Informationen aus Wikipedia wie Beschreibung der Stadt, die Fläche, die Anzahl der Bevölkerung sowie auch Echtzeitinformationen wie das aktuelle Wetter in Lüneburg.

Kurz: Google versucht, den Suchenden so viele wichtige Informationen direkt zu liefern, wie es geht. Die Entwicklung geht eindeutig dahin, dass Google Antworten geben und nicht mehr nur Informationen sortieren möchte, weshalb diese kontextuelle Aufarbeitung der Einzelinformationen auch „Knowledge Graph“ genannt wird, was frei übersetzt so viel heißt wie „Wissensnetzwerk“.

Websites werden auseinandergenommen

Es wird deutlich, dass Informationen, die für die eigene Website bestimmt waren, künftig in einem ganz anderen Umfeld ausgegeben werden können. Hierfür müssen die Daten jedoch bestimmte Voraussetzungen erfüllen. Zunächst sollte bei der Websitegestaltung darauf geachtet werden, dass eine strikte Trennung von Form und Inhalt erfolgt. Das bedeutet, dass aller Content einer Website in einer separaten Datenbank vorliegen sollte und nicht mehr direkt in die Form – also die Website – gepflegt wird. Oftmals ist dies bereits der Fall, wenn Reiseveranstalter beispielsweise viele Angebote verwalten müssen, oder Destinationen unzählige Events in einem Veranstaltungskalender pflegen. Diese Trennung muss künftig für alle Inhalte erfolgen. So werden sie unabhängig von der Form der Ausgabe und können in unterschiedlichste Kanäle weitergegeben werden (siehe Abbildung).

Datenmanagement für Maschinen und Menschen

Hinzu kommt, dass Daten für Maschinen und Menschen aufbereitet werden müssen. Das bedeutet: Wenn Daten von einer Website, oder direkt aus einer Datenbank entnommen werden, dann müssen bestimmte Kriterien an diese Daten erfüllt werden. Dies betrifft insbesondere die Art und Weise, wie die Daten aufbereitet werden. Es müssen hier zum einen für alle Daten klare Nutzungsrechte bestimmt werden, damit klar ist, welche Daten in welcher Form weiterverwendet werden können und sollen. Unterstützung in der Praxis bietet dabei das Lizenzmodell der Creative Commons (CC).

Zum anderen ist es wichtig, dass die Daten so ausgezeichnet werden, dass sie unmittelbar maschinenlesbar sind. Hier geht es um die Einheitlichkeit der Datenpflege: Ein Startdatum eines Events sollte nicht mehr auf der einen Website mit „6. Mai 2021“ und auf einer anderen mit „06.05.21“ eingegeben werden. Heterogene Datenbestände sind für Maschinen wie den Google Bot zwar bis zu einem gewissen Maße interpretierbar, aber in der Regel zeigt Google gerade diejenigen Daten besonders gut in den Suchergebnissen an, die nach den Vorgaben von schema.org gepflegt wurden. Dieser de facto Standard für Daten ist international bekannt und wird im Tourismus präferiert. Dementsprechend kann ohne Bedenken auf diesen zurückgegriffen werden, wenn eine Struktur für bestimmte Datentypen wie Veranstaltungen, Hotels, Sehenswürdigkeiten, Touren oder Restaurants gesucht wird. Eine Erweiterung der Dokumentation erfolgt aktuell übrigens für den Tourismus und ist auf dieser Website direkt einsehbar: https://ds.sti2.org/

Websitegestaltung heißt auch Datenmanagement

Wenn also von Websitegestaltung die Rede ist, dann ist damit künftig auch und insbesondere das Datenmanagement gemeint. Die zentrale Frage ist, wie die Daten von einer Datenbank und in der Regel dann über eine Website in andere Kanäle gelangen können, damit sie eine größtmögliche Sichtbarkeit erlangen. Daten müssen künftig also über die Website hinaus offen für alle und maschinenlesbar zur Verfügung stehen (Stichwort: Open Data). Offene Daten sind auch deshalb so relevant, weil sie auf der Basis der Offenheit mit anderen Daten vernetzt werden können. Die Daten, die hierbei beachtet werden sollten, reichen von statischen Daten wie z. B. der Beschreibung des Rathauses in Hannover hin zu dynamischen Daten zur Besucherfrequentierung an touristisch relevanten Orten.

Es ist absehbar, dass aus dieser Vielzahl an verfügbaren Daten immer neue Anwendungen entstehen, die von Gästen genutzt werden. Wenn Orte wie Schloss Marienburg oder die Herrenhäuser Gärten in diesen Anwendungen sichtbar werden wollen – bspw. mit Adresse, Öffnungszeiten und Telefonnummer – so ist es sinnvoll, wenn diese in einer zentralen Datenbank wie dem Niedersachsen Hub gebündelt und jeweils auf der Website des jeweiligen Anbieters maschinenlesbar ausgegeben werden. Die Daten sind dann stets und in jeder Anwendung, die diese zentrale Datenbank mitnutzt, aktuell. Die Website wird somit künftig nur noch ein Kanal von vielen sein, über den touristisch relevante Daten von Gästen abgerufen werden. Eine klare Trennung von Daten (Inhalte) und Form (Website und andere Ausgabekanäle) ist daher das primäre Ziel einer modernen Websitegestaltung.

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