Von Juli bis Oktober fährt der Heide-Shuttle mit 6 verschiedenen Linien durch die Lüneburger Heide – mit Fahrradanhänger und kostenlos.
ⓘUrheber: LHG / Frederic Wolf | CC BY-SA 4.0Von Juli bis Oktober fährt der Heide-Shuttle mit 6 verschiedenen Linien durch die Lüneburger Heide – mit Fahrradanhänger und kostenlos.
Zwischen Hamburg im Norden und Hannover im Süden erstreckt sich mit der Lüneburger Heide eine ganz besondere Urlaubsregion – mit einem ebenso ungewöhnlichen ÖPNV-Angebot. Von Anfang Juli bis Anfang Oktober, also rund um die Hauptblütezeit der Heide, bringt der Heide-Shuttle Einheimische, Tagesgäste und Urlauber durch die Region. Jeder Bus fährt mit einem Fahrradanhänger und kann 14 Räder transportieren. Die Mitfahrt ist seit 20 Jahren kostenlos.
„Wir haben 2006 mit zwei Ringbus-Linien angefangen. Seit 2024 sind wir bei 6 Linien und transportieren damit rund 80.000 Fahrgäste jährlich“, erzählt Hilke Feddersen, Geschäftsführerin des Naturparks Lüneburger Heide. Sie hat das Angebot von Anfang an mitaufgebaut, denn der Naturpark fungiert als zentrale Koordinierungsstelle für den Heide-Shuttle. 18 Kommunen und 3 Landkreise sind an den Ringbuslinien beteiligt und teilen sich die Kosten. „Bei so vielen Akteuren braucht man einfach einen Kümmerer, der die Akteure zusammenhält, Jahrestreffen veranstaltet, Flyer druckt, und so weiter. Und diese Rolle übernehmen wir als Naturpark“, so Feddersen.
ⓘUrheber: LHG / Frederic Wolf | CC BY-SA 4.0Alle drei Jahre findet eine große Fahrgastbefragung statt. So wissen die Heide-Shuttle-Betreiber, dass rund 60 Prozent ihrer Fahrgäste Tagesbesucher aus der Region und Einheimische sind. „Uns ist ganz wichtig, dass der Heide-Shuttle eben nicht als rein touristisches Angebot gesehen wird, sondern auch die Menschen hier aus der Region davon profitieren. Lebensraum- und Freizeitqualität sind wichtige Standortfaktoren, zu denen wir mit unserem Angebot beitragen“, erklärt Hilke Feddersen.
Ein weiterer Vorteil: Das niedrigschwellige Angebot bringt auch ÖPNV-Einsteiger in den Bus. „Im ländlichen Raum ist das Auto das Haupttransportmittel. Für Großstädter klingt das lächerlich, aber viele Menschen hier müssen Busfahren erstmal lernen. Der Heide-Shuttle ist da ein sehr niedrigschwelliges, leicht zu nutzendes Angebot, und eine echte Alternative zum Individualverkehr.“
ⓘUrheber: LHG / Frederic WolfAuch, wenn zu den Effekten des Heide-Shuttles keine konkreten Untersuchungen vorliegen: 80.000 Fahrgäste im Bus heißt weniger Autoverkehr, weniger Emissionen, weniger Lärm, weniger Platz – „es will ja keiner noch mehr Parkplätze an den Hotspots“, kommentiert Feddersen. Die Argumente Klimaschutz, Lebensraumversorgung und Gästeservice überzeugen auch die Entscheidungsträger in den Kommunen und Landkreisen. „Wir können über unsere Fahrgastbefragung auch nachvollziehen, wie viele Gäste wo ein- und aussteigen, sodass die Kommunen genau sehen, was ihnen ihre Beteiligung am Heide-Shuttle bringt.
Am Ende ist das wichtigste aber das Wir-Gefühl, dieser Gedanke: Das ist nicht irgendein ÖPNV-Angebot, sondern das ist unser Heide-Shuttle, und der verbindet uns, und ist ein Alleinstellungsmerkmal der Region“, resümiert Hilke Feddersen.
Frau Feddersen, wie funktioniert die Finanzierung des Heide-Shuttles?
Die Kosten werden komplett von den beteiligten Kommunen und Landkreisen getragen. Es gibt keine Garantie dafür, dass der Heide-Shuttle auch in zehn Jahren noch kostenfrei sein wird, weil die Kommunen ihre Haushaltsmittel immer wieder neu bereitstellen müssen. Allerdings wäre ein Ticketverkauf im Bus ziemlich kompliziert: Der Busfahrer kann ja nicht gleichzeitig vorne kassieren und hinten Fahrräder aufladen. Er könnte auch seine Kasse nicht allein lassen, also müsste immer eine zweite Person mitfahren, das macht es dann wieder teurer. Wir sind aber inzwischen Experten in der Fördermittelakquise und schaffen es meistens, für neu hinzukommende Kommunen über Fördermittel einen großen Teil der Kosten für die ersten ein, zwei Jahre abzudecken.
Wie ist der Heide-Shuttle mit anderen Verkehrsträgern verknüpft?
Die Fahrzeiten der Busse an den Bahnhöfen sind auf den Fahrplan der Regionalzüge abgestimmt. Außerdem sind die Fahrzeiten des Heide-Shuttles sowohl in die Fahrplanauskunft des Hamburger Verkehrsverbunds HVV als auch in die der Deutschen Bahn integriert. Wenn Sie also einen Ort entlang unserer Routen in die Fahrplanauskunft eingeben, wird Ihnen der Heide-Shuttle als Option angezeigt.
Was würden Sie einer Region empfehlen, die Ihrem Beispiel folgen möchte?
Reden, reden, reden. Sie können sich gar nicht vorstellen, in wie vielen Kreisausschüssen, Gemeindevertretungen und so weiter ich das Angebot schon vorgestellt habe. Wir haben viele gute Argumente, und die muss man überzeugend vertreten, damit die Kommunen den Vorteil erkennen und sich im Netzwerk willkommen fühlen. Außerdem ist ein gutes Monitoring sehr wichtig. Immer im Blick zu haben, was passiert, zu evaluieren, anzupassen und immer im Gespräch zu sein: Das sind die Sachen, die man braucht.