Die Reiselust der Menschen bleibt 2023 hoch. 70 % der Deutschen planen fest eine Urlaubsreise, und viele wissen früh, wohin es gehen soll. Preissteigerungen beeinflussen das Reiseverhalten zwar, doch vor allem Haushalte mit mittlerem und hohem Einkommen reisen weiterhin uneingeschränkt. Gespart wird vor allem bei Kurzreisen und Tagesausflügen, während Haupturlaube stabil bleiben.
Der Niedersachsen‑Tourismus profitierte 2022 (Datenbasis des Berichts) von einer starken Erholung: Mit 43,3 Mio. Übernachtungen lag das Land nur noch 6,4 % unter 2019 und damit besser als der Bundestrend. Besonders dynamisch entwickelten sich Regionen wie Mittelweser, Unterelbe‑Unterweser und das Oldenburger Münsterland, während Küsten- und Mittelgebirgsregionen hinter dem Topniveau anderer Bundesländer zurückblieben. Der Marktanteil stieg leicht auf 9,6 %.
Bei der Herkunftsstruktur holte der Incoming‑Tourismus weiter auf. Ausländische Gäste erzielten 7,6 % Anteil, mit klarer Dominanz der Niederlande, gefolgt von Dänemark und Polen. Niedersachsen profitiert von seiner starken Inlandsnachfrage – an der Küste stammen 99 % der Übernachtungen aus Deutschland.
Ebenfalls im Aufwind: die Hotellerie, die 2022 rund 19 Mio. Übernachtungen zählte und wieder deutlich näher an das Vor‑Pandemie‑Niveau rückte. Gleichzeitig gehen kleinere Betriebe weiter zurück, während moderne Hotels garnis und größere Einheiten wachsen. Der Campingboom hält an: Mit 5,7 Mio. Übernachtungen wurde ein historischer Höchststand erreicht. Ferienwohnungen/-häuser verzeichneten ebenfalls ein Plus und bleiben besonders gefragt.
Die Freizeitwirtschaft zeigte ein spürbares Comeback. Zwar lagen die Besucherzahlen insgesamt noch 13,6 % unter 2019, aber Outdoor‑Angebote wie Landschaftsattraktionen (+7,5 %), Zoos/Tierparks (+4,3 %) und Erlebnisangebote lagen teils bereits über dem Vorkrisenniveau. Indoor‑Einrichtungen wie Museen oder Thermen erholten sich deutlich, wenn auch noch nicht vollständig. Die Eintrittspreise stiegen angesichts hoher Energie‑ und Betriebskosten stark an (+11,2 %).
Das Gastgewerbe profitierte 2022 von Nachholeffekten und steigenden Umsätzen (+27,3 % real gegenüber 2021). Doch Preissteigerungen und Personalmangel bleiben die größten Herausforderungen: Rund 10.000 Stellen sind im niedersächsischen Gastgewerbe unbesetzt. Gleichzeitig belasten hohe Energie‑ und Lebensmittelkosten die wirtschaftliche Lage vieler Betriebe, besonders im ländlichen Raum.
Die Gästezufriedenheit ist mit einem TrustScore von 86,3 Punkten stabil und liegt knapp unter dem bundesweiten Durchschnitt. Besonders gut schneiden weiterhin das Oldenburger Münsterland, Unterelbe‑Unterweser und die Ostfriesischen Inseln ab. Qualitätsinitiativen wie Dehoga‑Klassifizierungen bleiben wichtig, verzeichnen aber rückläufige Teilnahme – bei Ferienwohnungen sogar deutlich. Nachhaltigkeitslabel hingegen wachsen stetig.
Insgesamt zeigt 2023 ein Bild des weiteren Aufschwungs: Die Nachfrage hat sich gefestigt, viele Regionen wachsen erneut, und Outdoor‑, Individual‑ und Qualitätsangebote bleiben klare Gewinner. Gleichzeitig stehen Wirtschaftlichkeit, Personalverfügbarkeit und Investitionsdruck im Mittelpunkt der zukünftigen Entwicklung.