2020 übernahm Inga Cramer das Biohotel WildLand und verwandelte das Tagungshotel in einen idyllisch nachhaltigen Kraftort mit Mehrwert.

2020 übernahm Inga Cramer das Biohotel WildLand und verwandelte das Tagungshotel in einen idyllisch nachhaltigen Kraftort mit Mehrwert.
Etwa 30 Minuten von Hannover entfernt, liegt das Biohotel WildLand, inmitten von alten Bäumen – etwas erhöht auf dem Moorberg gebaut – macht es seinem Namen alle Ehre. Das Natur- und Tagungsresort besteht aus sechs historischen Gebäuden und zwei Neubauten im traditionellen Fachwerkstil. Zusätzlich gehören zum WildLand noch drei weitere historische Gebäude, die als Ferienhäuser genutzt werden. Nachhaltigkeit ist hier nicht nur an der Tagesordnung, sondern eine Grundvoraussetzung. „Schon beim Vorstellungsgespräch frage ich die Bewerber*innen, inwiefern sie sich mit Nachhaltigkeit auseinandergesetzt haben und gehe offen damit um, welche Herausforderungen das im Arbeitsalltag mit sich bringt,“ erzählt Cramer. Jeden Morgen frühstückt das Personal gemeinsam. Das hilft nicht nur dem Teamzusammenhalt und dem täglichen Austausch, sondern auch dabei, beim Buffet anfallende Essensreste zu minimieren. Dass Cramer und ihr Team Nachhaltigkeit ehrlich leben, spüren auch die Gäste.
Diese spürbare Authentizität hilft auch dabei, dass die Gäste manche Maßnahmen akzeptieren. Wie zum Beispiel, dass die Zimmer nur noch alle zwei Tage gereinigt werden, um Ressourcen zu sparen. „Dadurch, dass wir nachhaltige Praktiken stringent durchziehen und unser Handeln auch begründen können, akzeptieren unsere Gäste das. Man kann natürlich nicht mit Nachhaltigkeit argumentieren und dann einzeln verpackte Butter zum Frühstück legen,“ erläutert Cramer.

Obwohl Cramer mit ihrem Personal sehr offen und direkt über Nachhaltigkeit spricht, ist es im Umgang mit den Gästen oft eine Gratwanderung. Deshalb entwickelt Cramer gerade ein Konzept, das speziell tagenden Unternehmen einen Mehrwert durch die nachhaltigen Praktiken des Hotels bietet. Ab 2025 wird es zum Beispiel ein Dokument geben, auf dem der CO2-Fußabdruck während des Aufenthalts und der Anreise festgehalten wird. Diese Bilanz können Unternehmen dann in ihren Nachhaltigkeitsbericht schreiben.
Sie haben sehr viele Nachhaltigkeitssiegel und Zertifizierungen. Weshalb halten Sie diese für wichtig?
Mit Nachhaltigkeit werben zu können, ist ein Pluspunkt für uns. Es gibt sehr viele schöne Hotels, es braucht den Mehrwert, um sich abzuheben. In Zukunft möchten wir Unternehmen, die als Tagungsgäste zu uns kommen, anbieten, dass sie sich ihren Aufenthalt bei uns für ihre Öko-Bilanz mit anrechnen lassen können. Dies ist möglich, da wir uns klimabilanziert haben. Bei den Privatgästen spielt das zwar noch eine untergeordnete Rolle, dennoch haben wir Gäste, die nur zu Biohotels reisen, weil sie diesen Weg für sich gewählt haben und das auch strikt durchziehen. Von den 20% der Privatgäste, die zu uns kommen, sind vielleicht 5% Hardliner, aber meiner Meinung nach werden das immer mehr.


Würden Sie einem konventionellen Betrieb empfehlen, auch den Weg einer Zertifizierung zu gehen?
Erstmal braucht es die Überzeugung dazu. Einem konventionellen Betrieb würde ich dann empfehlen, einfach mit einem Projekt anzufangen, ganz ohne Zertifizierung. Das funktioniert zu Beginn am besten mit kleinen Änderungen, so sammelt ein*e Hotelier Erfahrung. Im nächsten Schritt ist eine Zertifizierung einfacher zu schaffen. Außerdem ist es möglich sich bei Bioland auch schon zertifizieren zulassen, wer 25% der Gerichte auf der Speisekarte auf Bio umstellt. Unternehmern, die sich für eine Zertifizierung mit Bioland entscheiden, werden auch Berater gestellt, die einen durch den Prozess leiten. Es gibt Leitlinien, die eine Umstellung erleichtern. Auch im Austausch mit anderen Partnern haben wir viele Ideen bekommen. Eine Zertifizierung hat dann auch Vorteile, und zwar nicht nur, um damit zu werben. Es hat zum Beispiel auch Einflüsse auf den Zinssatz, bei der Kreditvergabe. Nachhaltigkeit soll keinen Nachteil bedeuten, sondern man muss sie so betreiben, dass sie ein Vorteil ist.
Welche Tipps würden Sie einem Hotel auf dem Weg zu mehr Nachhaltigkeit geben?
Wenn man sich dazu entscheidet, mehr Nachhaltigkeit in seinen Betrieb zu integrieren, dann darf man einfach nicht nachgeben. Es ist wichtig konsequent zu sein und den Weg einzuhalten, für den man sich entschieden hat. Wer sich zum Beispiel dafür entscheidet, sein Frühstückbuffet auf Bio umzustellen und somit auch die Auswahl anpasst, wird auch Gäste haben, die sich darüber beschweren. Wenn solche Gegenstimmen kommen, braucht es den Mut durchzuhalten. Natürlich wird es erstmal anstrengend sein. Jedoch bringt dieser neue Weg auch die Chance, neue Gäste zu erreichen, die diese Arbeit wertschätzen und sich somit auch der Preisdiskussion entziehen.