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Camping im Einklang mit der Nordsee – Campingplatz am Nordseestrand Dornum

Urheber: Lars Wehrmann

Auf dem Campingplatz am Nordseestrand Dornum setzen die Betreiber auf ein ganzheitliches Energiesparkonzept, das auch die Gäste miteinschließt.  

Urheber: Lars Wehrmann

Der Kiosk auf dem Campingplatz am Nordseestrand Dornum ist ein besonderer Anziehungspunkt für die Gäste: Rund 800 Brötchen gehen hier während der Saison täglich über die Theke – aber nicht, wie anderswo üblich, in der Papiertüte. Stattdessen landen sie über eine Brötchenrutsche direkt im mitgebrachten Jutebeutel. Alle Campinggäste bekommen so einen Jutebeutel beim Check-in ausgehändigt, und können damit während ihres Aufenthalts ihre Brötchen abholen. 90 % der Papierbrötchentüten hat die Bäckerei dadurch eingespart – ein voller Erfolg sowohl wirtschaftlich als auch für die Nachhaltigkeit. 

Und die Brötchenrutsche ist nur ein kleiner Baustein des Nachhaltigkeitskonzepts des Campingplatzes. Für Rolf Kopper, Geschäftsführer der Tourismus GmbH Gemeinde Dornum, war bei der Sanierung 2018 klar: Es muss sich was ändern. „Unser Platz liegt vor dem Deich, mitten im UNESCO Weltnaturerbe Wattenmeer. Dadurch haben wir eine besondere Verantwortung gegenüber der Natur, und sind auch anfällig für die Folgen des Klimawandels. Aber auch wirtschaftliche Gründe spielen eine Rolle“, so Kopper. 

Einer der größten Kostenpunkte des Campingplatzes: Die Energieversorgung. Auf der Suche nach Lösungen stieß Rolf Kopper auf zwei Junglandwirte, die in direkter Nachbarschaft zum Campingplatz auf ihren Höfen eine Biogasanlage betreiben. „Die Abwärme aus Biogasanlagen verpufft häufig ungenutzt. Also haben wir einen Vertrag geschlossen und Wärmeleitungen gelegt – eine Win-Win-Situation für die Landwirte und für uns“, so Kopper, der auch studierter Agraringenieur ist. Neben Heizenergie und Warmwasser für den Campingplatz liefert die Biogas-Abwärme auch Wärme für das benachbarte Freibad und die Firmenzentrale der Tourismus GmbH. 

Das Freibad, das ebenso wie der Campingplatz von der Tourismus GmbH betrieben wird, ist aktuell das einzige beheizte Freibad an der Nordseeküste. Neben dem umweltfreundlichen Wärmekonzept hat das Team um Rolf Kopper auch die Wasserpumpen ausgetauscht. Anstatt pausenlos zu arbeiten, werden die Pumpleistungen jetzt an das Besucheraufkommen angepasst. Der Stromverbrauch sank dadurch von 250.000 auf 185.000 kWh. Seit letztem Jahr können knapp 30 % davon durch eigene Photovoltaikanlagen gedeckt werden, die auf den Dächern der Campingplatzgebäude installiert sind.

„Wir verbrauchen knapp 85 % unseres PV-Stroms selbst, nur im Winter speisen wir etwas ins Netz ein“, so Kopper. 

Urheber: Martin Stöver
Urheber: Martin Stöver

Das Strom- und Energiesparkonzept des Campingplatzes erstreckt sich auch auf die Gäste. Seit 2008 wird der Stromverbrauch nicht mehr nach Tagespauschale, sondern nach tatsächlichem Verbrauch abgerechnet. „Eine Pauschale lädt dazu ein, möglichst viel Strom zu verbrauchen, besonders, weil die Leute immer mehr Geräte haben. Durch die verbrauchsabhängige Abrechnung haben wir ein Umdenken bei den Gästen erreicht“, erklärt Kopper. Auch das Duschkonzept wurde umgestellt: Statt unlimitiert Warmwasser sind jetzt 3 Minuten Duschen pro Übernachtung inklusive. „Das gab erstmal einen Aufschrei unter den Gästen. Aber inzwischen bekommen wir oft die Rückmeldung, dass das völlig ausreichend ist. Nur wenige Menschen buchen Minuten nach.“ Die Wasser- und Energieeinsparungen durch diese Umstellungen sind enorm.  

Im Zuge der Sanierung hat der Campingplatz auch einige Upcycling-Maßnahmen umgesetzt: Aus dem Holz der alten Platznummerierungen wurde das neue Wegeleitsystem gebaut, und die Spiegelumrandungen in den Waschhäusern sind aus Treibholz. So zeigt der Campingplatz Dornum, wie große und kleine Maßnahmen zusammen ein nachhaltiges Gesamtkonzept ergeben. 

3 Fragen an Geschäftsführer Rolf Kopper

Herr Kopper, der Campingplatz Dornum ist Partner des Nationalparks Wattenmeer. Was bedeutet das für Sie? 

Wir nehmen unsere Verantwortung für die Natur sehr ernst und wollen auch unsere Gäste dafür sensibilisieren. Deshalb haben wir mit dem Nationalparkhaus zusammen großflächige Fototapeten entwickelt, die zum Beispiel in den Aufenthaltsräumen hängen. So machen wir die Gäste auf die Schönheit und Besonderheit des Wattenmeers aufmerksam. 

Sie haben die Nachhaltigkeit in den Einrichtungen der Tourismus GmbH mit vielen Ideen und Projekten vorangebracht. Wie steht ihr Team dazu? 

Ich bin als derjenige bekannt, der immer mit den komischen Ideen kommt (lacht). Aber ich bin seit 16 Jahren Geschäftsführer und mein Team ist daran gewöhnt. Wir haben ein sehr gutes Miteinander mit flachen Hierarchien. Die wichtigste Regel bei uns ist, dass wir einander helfen, auch abteilungsübergreifend. Das wird von den Mitarbeitenden sehr gut mitgetragen. 

Welche nachhaltigen Projekte planen Sie für die Zukunft? 

Ich will die Nachhaltigkeit bei uns auf jeden Fall weiterdenken. Wir könnten zum Beispiel nachhaltige Strandkörbe ohne Plastik anschaffen. Für unseren Indoor-Spielplatz sind wir aktuell mit einem weiteren Landwirt im Gespräch, um ein ähnliches Wärmekonzept wie bei Campingplatz und Freibad umzusetzen. Wir denken aber auch den sozialen Aspekt mit und haben zum Beispiel den einzigen barrierefreien Wasserspielplatz an der Nordseeküste eröffnet. Das ist auch wirtschaftlich wichtig: Als kleinster touristischer Ort an der Nordsee müssen wir uns Nischen suchen, um uns von den größeren Orten abzugrenzen. 

Campingplatz am Nordseestrand

Am Nordseestrand 1

26553 Dornum – Dornumersiel

Nachhaltigkeitszertifikat: Nationalpark-Partner 

Telefon: +49 4933 351

E-Mail: campingplatz@dornum.de

Website: www.dornum.de/unterkuenfte-camping/campingurlaub-in-dornumersiel/campingplatz-am-nordseestrand



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