Das Nachhaltigkeitskonzept des Magic Parks Verden setzt sich aus vielen kleinen Mosaiksteinchen zusammen. Dabei steht Innovation vor Perfektion.
ⓘUrheber: Magic Park VerdenDas Nachhaltigkeitskonzept des Magic Parks Verden setzt sich aus vielen kleinen Mosaiksteinchen zusammen. Dabei steht Innovation vor Perfektion.
Anfang des Jahres 2025 haben Bastian Lampe und Tom Becker den kleinen Freizeitpark vor den Toren Bremens übernommen. Bereits vor der Übernahme, damals noch als Geschäftsführer des damaligen Ritter Rost Parks, überlegte sich Lampe Strategien, um das Konzept des sanierungsbedürftigen Parks zu überholen: „Einen etwas rostigen Park im Ritter-Rost-Thema, das kommt einfach nicht so gut an“, scherzt er im Interview.
Nicht nur aus praktischen Gründen entschied sich Lampe für die Märchenwelt als Parkthema. Die thematische Rückbesinnung war auch deshalb naheliegend, da der Park 1971 als Märchenwald eröffnet wurde. Landschaftlich und thematisch ist das Konzept nun schlüssig, da der Park inmitten eines Waldes liegt. Die Rückbesinnung auf Märchen, Volkssagen und Mythen entstand jedoch auch aus dem Wunsch nach Verwurzelung mit Tradition und dem Verlangen, sich vom überdrehten, kommerziellen Gedanken zu entfernen.
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ⓘUrheber: Magic Park Verden„Ein Grundgedanke, der bei uns immer mitschwingt, ist die Gemeinwohlökonomie“, erklärt Bastian Lampe. Das ist eine wirtschaftliche Theorie, die sich mit der Frage beschäftigt, was nach dem Kapitalismus kommt, und danach fragt, wo die Grenze des Wachstums liegt. „Das Problem an der heutigen Zeit ist, dass unternehmerischer Erfolg zum größten Teil am Gewinn gemessen wird“, meint Lampe.
Als Unternehmen strebt der Magic Park Verden natürlich nach finanziellem Wachstum, jedoch nicht um jeden Preis. Den Erfolg ihres Parks messen Tom Becker und Bastian Lampe daran, wie viel sie zum Gemeinwohl beitragen können, indem sie sich um die Umwelt kümmern und ihren Gästen ein nachhaltiges Produkt mit Mehrwert bieten. Dazu zählen Initiativen wie Sozialtage, an denen einkommensschwache Familien gratis in den Park kommen können, genauso wie die Artenvielfalttage, an denen Gäste über Tierschutz aufgeklärt werden.
Zu den ersten Solarzellen des Parks kam es durch eine innovative Geschäftsidee, erzählt Lampe: „Die Renovierung des Asbestdachs des Restaurantgebäudes hätte ich mir nicht leisten können. Da mein heutiger Geschäftspartner aber auch Eigentümer der Reon AG ist, bot er mir an, das Dach zu renovieren, Solarzellen draufzubauen und mir den Strom dann günstig zu verkaufen.“ Heute ist auch der Parkplatz mit Solarzellen überdacht – eine neuartige Idee, die wertvollen Platz spart und auch bei niedersächsischen Politiker*innen Interesse geweckt hat.
Das Engagement für Nachhaltigkeit geht bei der Leitung des Parks über das Verpflichtende hinaus. Obwohl die Mehrwegpflicht das Unternehmen nicht betroffen hätte, entschied sich Lampe gegen Pappbecher. Verpackungsmüll zu reduzieren ist für ihn Teil eines guten Erlebnisses: „Wir müssen unsere Gäste nicht glücklich machen. Die sind bereits glücklich, wenn sie bei uns an der Kasse stehen und sich auf den Tag freuen. Wir müssen im Laufe ihres Besuchs nur dafür sorgen, dass dieses Gefühl aufrechterhalten bleibt. Wenn Gäste merken, dass sie unnötig Müll produzieren, dann ist das ein Erlebniskiller.“
Für die Freizeitparkbetreiber ist klar, dass sie mit ihren Kaufentscheidungen einen Unterschied machen. Anstatt Coca-Cola anzubieten, kaufen sie ihre Getränke bei Fritz-Kola ein, und um auf Palmöl zu verzichten, beziehen sie ihr Speiseeis von Nui oder Schöller. Durch diese kleinen, aber zahlreichen Schritte hat sich der Magic Park Verden auf den Weg zu einer nachhaltigeren Zukunft gemacht. So kann der kleine Park mit den ganz großen Playern der Branche mithalten.
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ⓘUrheber: Magic Park VerdenWelche Chancen ergeben sich durch Ihr Engagement für Nachhaltigkeit?
Die Chancen liegen einfach in der öffentlichen Wahrnehmung. Wir haben im Augenblick so eine Phase auch politisch gesehen, wo Umweltschutz und Nachhaltigkeit wieder ein bisschen aus dem Fokus geraten sind. Das wird aber zwangsläufig wiederkommen spätestens, wenn in Deutschland wieder eine große Unwetterkatastrophe ist, die mit dem Klimawandel in Verbindung gebracht werden kann. Da rede ich von einer Perspektive, die die nächsten 10, 15 bis 20 Jahre betrifft. Wenn wir uns als Unternehmen in diesem Bereich jetzt schon gut aufgestellt haben, wo andere wesentlich langsamer unterwegs sind, dann haben wir einen klaren Vorteil. Wir legen einfach jetzt schon Grundlagen für die Zukunft. Da sehen wir eine große Chance drin, dass wir unseren Beitrag leisten und am Ende nicht ganz uneigennützig auch das Publikum besser erreichen.
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Wie kommunizieren Sie ihre Nachhaltigkeit an Ihre Gäste?
Zurzeit sind wir mit der Öffentlichkeitskommunikation noch etwas vorsichtig, weil wir noch nicht in allen Aspekten 100% nachhaltig sind. Die breite Masse hat da oft ein starkes Schwarz-Weiß-Denken, wenn da nicht alles mit ihren Erwartungen übereinstimmt, dann bekommt man sehr schnell kritische Stimmen. Jedoch versuchen wir nachhaltige Praktiken auch klar dazustellen. Manchmal nehmen wir dann auch nicht die besten Lösungen für ein Problem, sondern die, die am besten aussieht. Damit wollen wir die Menschen ein bisschen kitzeln und ihre Sensibilität steigern. Wir wollen einfach auch zeigen, was alles möglich ist.
Unsere Überzeugung ist gepaart mit dem Willen klarzumachen, dass es geht. Oft hören wir das geht nicht und jenes geht nicht. Dem stimmen wir nicht zu. Es gibt so viele Menschen, die denken, dass Nachhaltigkeit mit persönlicher Einschränkung zu tun hat. Die denken entweder etwas ist nachhaltig oder etwas macht Spaß. Aber das ist nicht wahr, denn wir bieten Spaß ohne schlechtes Gewissen an.
Welchen Tipp würden Sie einem konventionell arbeitenden Betrieb geben, der nachhaltiger agieren möchte?
Machen. Einfach nicht immer so verkopft sein. Ich kenne aus früheren Unternehmen, in denen ich gearbeitet habe, wie Entscheidungen getroffen werden. Es ist unfassbar und am Ende wird nicht einmal gespart, weil die Entscheidungsfindung so langwierig ist. Als Beispiel kann ich die Recup-Debatte bei uns im Park nennen. Bevor wir das Pfandsystem eingeführt haben, wussten wir nicht, ob das Publikum diese Neuerung akzeptieren würde. Aus Angst vor Auseinandersetzungen hatten wir die Pappbecher anfangs noch unterm Tresen versteckt, doch kein einziger Gast hat danach gefragt. Ich würde den Ratschlag geben einfach zu machen und die Angst abzulegen, dass man irgendetwas verlieren könnte, weil irgendjemand das nicht mögen könnte.
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