Im Hotel Garni Zur Alten Post hat Besitzer Steffen Eickhoff seit der Betriebsübernahme von seinen Großeltern die Zahl der Übernachtungen mehr als verdoppelt, und gleichzeitig den Energieverbrauch halbiert.

Im Hotel Garni Zur Alten Post hat Besitzer Steffen Eickhoff seit der Betriebsübernahme von seinen Großeltern die Zahl der Übernachtungen mehr als verdoppelt, und gleichzeitig den Energieverbrauch halbiert.
Zwischen Bremen und Osnabrück liegt der Dümmer See, und an seinem nordwestlichen Ufer, im Örtchen Lembruch, das Hotel Garni Zur Alten Post. Seit Generationen ein Familienbetrieb, hält hier seit 2007 Steffen Eickhoff die Fäden in der Hand. „Als ich den Betrieb von meinen Großeltern übernahm, war es eine kleine Pension, komplett im Stil der 80er Jahre. Mir war klar: Wenn ich den Betrieb in die Zukunft führen will, muss ich investieren und modernisieren“, erzählt Eickhoff. Gesagt, getan: Mit der Renovierung von vier Zimmern ging es los. In den folgenden Jahren wurde eifrig aus- und umgebaut, renoviert und saniert und der große Biergarten auf Vordermann gebracht. Die alte Ölheizung ließ Eickhoff ersetzen, eine Photovoltaikanlage auf dem Dach installieren, auch ein Blockheizkraftwerk einbauen. Letzteres musste nach elf Jahren stillgelegt werden, aufgrund von neuen Regulierungen, die eine Reparatur unwirtschaftlich machten.

Beim Frühstücksbuffet setzt Steffen Eickhoff auf die Region: Die Brötchen kommen jeden Morgen frisch vom Bäcker um die Ecke, Aufschnitt und das Fleisch für die sommerlichen Grillfeste vom Fleischer mit eigener Schlachtung aus dem Nachbarort, und Kaffee und Tee vom Biopionier Lebensbaum aus dem benachbarten Diepholz. Und auch, wenn regelmäßig Angebote für günstige Aufbackbrötchen und co. bei ihm ins Haus flattern: Steffen Eickhoff hält an seinem Konzept fest. „Wenn ich auf Billigware umsteige, verliere ich meine Qualität, und das schmecken auch die Gäste.“

Neben dem Frühstück wird auch das Hotel-Team in Onlinebewertungen besonders oft positiv hervorgehoben. Das ist kein Zufall, denn auf nachhaltige Mitarbeiterführung auf Augenhöhe legt der Hotelchef großen Wert. Flexible Arbeitszeiten und eine übertarifliche Bezahlung gehören für Eickhoff ebenso zum Standard wie ein gutes Miteinander und Wertschätzung im Team. Das würden auch die Gäste merken, ist er überzeugt. Um das zu gewährleisten, beschäftigt das Hotel 16 Mitarbeiter:innen – mehr, als es bei Betrieben ähnlicher Größe oft der Fall ist. Probleme, die Stellen zu besetzen, hat Eickhoff nicht – sein Ruf als guter Arbeitgeber eilt ihm voraus. „Zur Nachhaltigkeit gehört eben nicht nur die Umwelt, sondern auch der Mensch“, sagt Steffen Eickhoff.
Herr Eickhoff, Sie haben bei der Sanierung bzw. dem Ausbau Ihres Hotels auf eine ökologische Bauweise gesetzt. Was bedeutet das genau?
Wir haben die Holzständerbauweise genutzt. Dabei wird ein Holzgerippe mit Holzplatten verkleidet, die Hohlräume werden mit Zellulose ausgefüllt, das sind also alles natürliche Materialien. Zellulose kann viel Feuchtigkeit aufnehmen, was gerade bei einem alten Gebäude wie unserem wichtig ist. Außerdem wirkt sie stark lärmmindernd und ist ein guter Dämmstoff.
Wie sehr können Sie Ihren Energieverbrauch dadurch steuern, und welchen Einfluss hat das Verhalten Ihrer Gäste?
Durch die gute Dämmung und auch die Isolation von beispielsweise Warmwasserleitungen konnten wir unseren Wärmebedarf um rund 70 % senken. Wir haben auf unseren Dachflächen noch einen Wärmedurchgang von 0,09 Watt, das entspricht dem Passivhausstandard. Das führt automatisch dazu, dass die Gäste weniger heizen.

Seit 2014 haben Sie mehrere Photovoltaikanlagen installiert. Wie viel Ihres Strombedarfs können Sie damit decken?
Im Sommer kommt fast unser kompletter Strom aus unserer eigenen Solaranlage. Wir haben vor kurzem auch unseren Batteriespeicher nochmal ausgebaut, um unseren eigenen Strom wirklich bestmöglich nutzen zu können. Im Winter müssen wir mehr Strom dazu kaufen. Das wird aber bald auch hundertprozentig grüner, regionaler Strom sein, denn bei uns im Nachbarort wird gerade ein Windpark gebaut. Über eine Beteiligung können wir unseren Strom ab 2025 dann direkt dort einkaufen.