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Praktische Tipps und gelungene Beispiele

In Niedersachsen gibt es derzeit über 400 Betriebe, die mit dem Kennzeichen Reisen für Alle ausgezeichnet sind. Viele dieser Betriebe sind bestrebt ihr Angebot weiterzuentwickeln und haben bereits tolle Maßnahmen umgesetzt. Diejenigen, die ebenfalls gerne ihr Produkt verbessern möchten, aber noch ein wenig Inspiration benötigen, finden hier ein paar gelungene Beispiele.

Weitere Tipps zur Angebotsgestaltung finden Sie auf der Seite Tipps zur Angebotsgestaltung

Gelungene Beispiele

Von Ferienwohnung über Ferienhaus, Jugendherberge oder Pension bis zu kleinen und großen Hotels – in Niedersachsen wurden mehr als 100 Beherbergungsbetriebe auf ihre Barrierefreiheit geprüft.

Ein Gast möchte sich in seiner Urlaubsunterkunft wohlfühlen. Das gilt für Menschen ohne Einschränkung genauso wie für Menschen mit Einschränkung. Deshalb sollte bei der Gestaltung von Unterkünften, insbesondere der Zimmer/Badezimmer, auch auf Ästhetik wertgelegt werden. In einem Badezimmer, das nach Krankenhaus aussieht, wird bei keinem Gast Urlaubsgefühl aufkommen.

Wenn kein Umbau oder Neubau geplant ist, kann man manchmal auch mit kleinen Mitteln den Wohlfühlcharakter von Räumen erhöhen.

  • Haltegriffe im Badezimmer können bspw. ausgetauscht werden. Es gibt diese nicht nur in weiß, sondern auch in vielen anderen Farben.
  • Mit ein wenig farbiger Dekoration kann auch ein ansonsten weiß gefliestes Bad wohnlicher wirken
  • Eine Küche mit unterfahrbarer und höhenverstellbarer Arbeitsfläche ist für Rollstuhlfahrer die optimale Ausstattung. Man kann aber bei der Einrichtung der Küche auch darauf achten, dass alle zum Kochen wichtigen Utensilien in einer Höhe untergebracht sind, die für Rollstuhlfahrer erreichbar ist
  • Es gibt Hilfsmittel, die Menschen mit Hörbehinderung unterstützen. Ein Funk-Gong zeigt das Türklingeln zusätzlich mit einem Blitzlicht an. Der „Deafgard“ ist ein batteriebetriebenes Gerät, das den Feueralarm als Vibration (über ein Kissen) und Lichtsignal wiedergibt. Diese mobilen Geräte können einmalig angeschafft werden und bei Bedarf zum Einsatz kommen.
  • Bietet man seinen Gästen eine Gästemappe mit Informationen an, sollte darauf geachtet werden, dass die Schrift gut lesbar ist. Außerdem sind Hinweise zur (barrierefreien) Ausstattung der Unterkunft hilfreich sowie eine Kontaktmöglichkeit für den Gast, bei Fragen zu seinem Aufenthalt.

Hier finden Sie einige Beispiele für die gelungene Gestaltung von Unterkünften:

Wer in den Urlaub fährt, möchte auch etwas erleben. Deshalb ist es wichtig, dass auch Freizeitbetriebe die Barrierefreiheit im Blick behalten. Mehr als 160 Freizeitanbieter haben sich bereits nach Reisen für Alle zertifizieren lassen und stellen so verlässliche und detaillierte Informationen zur Verfügung. Viele Anbieter haben sich Gedanken gemacht wie sie ihr Angebot möglichst allen Menschen zugänglich machen können. Dabei geht es nicht nur um die Zugänglichkeit, gut begeh-/befahrbare Wege oder ein barrierefrei konzipiertes WC.

Park der Gärten – Bad Zwischenahn

Das Gelände und die Wege des Parks sind steigungsfrei und gut befahrbar. Es gibt mehrere barrierefreie Sanitäranlagen und im Besucherzentrum können Rollstühle, Rollatoren und Bollerwagen kostenfrei ausgeliehen werden. Darüber hinaus gibt es im Park der Gärten aber auch tolle Angebote für sehbehinderte und blinde Menschen. Im „Mustergarten 28 – Blinden- und Impressionslandschaft“ können z.B. mittels Bewegung Töne erzeugt werden. Ein Blindenbrunnen (der von blinden Menschen für blinde und sehende Menschen gebaut wurde) mit seinen vier Bronzeskulpturen „Vier Jahreszeiten“ zeigt die „Gefühle“ von blinden Kindern und Jugendlichen, die sie zu den Jahreszeiten haben. Außerdem gibt es eine Parkbroschüre und Beschriftungen an Exponaten in Brailleschrift.

 

Tourist-Informationen sind häufig die erste Anlaufstelle bei Fragen rund um den Urlaub in einem Ort. Es ist daher sinnvoll, dass die Kundenräume auf die Bedürfnisse von möglichst allen Besuchern zugeschnitten sind.

Einige Niedersächsische Tourist-Informationen haben z.B. taktile Leitsysteme für blinde Gäste installiert. Es gibt mobile Induktionsschleifen für hörbehinderte Menschen oder hörunterstützende Technik für Führungen, Lesebrillen in verschiedenen Stärken zum Ausleihen und Stadtpläne in Brailleschrift. Neben den baulichen Gegebenheiten spielt besonders in der Tourist-Info der Servicegedanke eine große Rolle. Die Mitarbeitenden sollte auch für Menschen mit Behinderung Tipps und Anregungen für einen abwechslungsreichen Aufenthalt geben können. Die Informationen des Kennzeichnungssystems Reisen für Alle können dabei eine gute Hilfe sein.

Museen sind häufiger aufgrund ihrer historischen Bausubstanz in der barrierefreien Zugänglichkeit eingeschränkt. Aber auch dafür gibt es bereits vielfach Lösungen. So werden z.B. die Treppenstufen am Eingang von Schloss Evenburg mit einem Hublift überbrückt. Andere Museen haben die Möglichkeit den Zugang über einen Nebeneingang zu gewähren. Das Erzbergwerk Rammelsberg oder das Museum Schwedenspeicher in Stade informieren bspw. Besucher am Haupteingang über den barrierefreien Nebeneingang.

Die Grubenbahn des Bergwerks, eigentlich nicht für Rollstuhlfahrer gemacht, wurde so umgebaut, dass nun in einem Wagen auch Rollstuhlfahrer mit in den Berg fahren können. Auch die Moorbahn der Gemeinde Wagenfeld hat einen Waggon bekommen, der mithilfe einer Rampe zugänglich gemacht wurde.

Der Borkumer Wasserturm wurde von einem Verein liebevoll restauriert. Aufgrund der Treppenstufen ist der Turm nicht für Menschen mit Gehbeeinträchtigung oder Rollstuhlfahrer zu besichtigen. Der Verein hatte die Idee, dass Begleitpersonen mit einer Kamera den Turm hinaufgehen und die Person im Rollstuhl über einen Monitor trotzdem einen Einblick in den Turm erhält. Darüber hinaus wurde für blinde Menschen ein Tastmodell des Wasserturms erstellt mit Informationen in Brailleschrift.

Die Wissensvermittlung spielt in Museen eine wichtige Rolle. Dabei ist für Menschen mit Behinderung wichtig, dass Exponate und Infotafeln gut sichtbar und ausgeleuchtet sind. Für Rollstuhlfahrer sind unterfahrbare Ausstellungsstücke hilfreich oder Infotafeln, die auch im Sitzen lesbar sind. Für Menschen mit Seh- oder Hörbehinderung müssen Informationen über mehrere Sinne vermittelt werden. Akustische oder taktile Inhalte lassen den Museumsbesuch auch für sehbehinderte und blinde Besucher zum Erlebnis werden. In zahlreichen Museen in Niedersachsen gibt es z.B. Audioguides, die entweder mit einem Leihgerät oder sogar mit dem eigenen Smartphone Inhalte zur Ausstellung wiedergeben. Nachbildungen von Ausstellungsstücken oder Stoff-/Materialproben zum Tasten sowie Dufterlebnisse sind Möglichkeiten das Museum zu erleben.

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