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Rad & Wandern: Erlebnis- und Themenwege

Unsere vielfältige Natur ist der schönste Spielplatz für Kinder. Dennoch ist es nicht immer leicht, Kinder für einen Ausflug zu motivieren. Zum Glück gibt es inzwischen viele tolle Ideen, die Kinder für die hiesige Flora und Fauna begeistern. Themen- und Erlebniswege machen Wanderungen und Radtouren zu unterhaltsamen Ausflügen und vermitteln nebenbei Informationen zu unserer Umwelt.

Familienfreundliche Wander- und Erlebniswege zeichnet der Deutsche Wanderverband mit dem Siegel „Qualitätswege Wanderbares Deutschland – Familienspaß“ aus. Die Seite des Wanderverbandes inspiriert mit gelungenen Beispielen: Familienspaß

Folgende Aspekte zeichnen dabei einen kindgerechten Weg aus:

  • Sichere Wegstrecken ohne Gefahrenstellen (z.B. durch Verkehr, steile Abhänge)
  • Abwechslungsreiche Wege. Kleine Pfade, viele Kurven, kleine Brücken und Steigungen machen den Weg unterhaltsam. Gerade und breite Wegstrecken sind aufgrund ihrer Reizarmut für Kinder schneller ermüdend und sollten zumindest einen abwechslungsreichen Ausblick bieten.
  • Kurze Länge. Etwa 3 bis 7 km sind je nach Alter der Kinder für Wanderwege optimal. Bei längeren Wegstrecken sollte eine Abkürzung ermöglicht werden.
  • Picknick-Plätze und Bänke zum Rasten. Empfehlenswert sind Orte, die zum Spielen einladen wie z.B. Erlebnisstationen oder kleine Lichtungen und Wiesen mit Baumstämmen zum Klettern.
  • Erlebnis-Stationen zum Spielen in regelmäßigen Abständen (je nach Weglänge alle 1-2 km). Optimal sind Stationen, die spielerisch zum Erkunden der Umgebung einladen oder Informationen zu Flora und Fauna vermitteln.
  • Weg-Thema Es bietet sich an, einen Weg einem bestimmten Thema zu widmen und somit beim Erwandern des Weges eine Geschichte zu erzählen. Das kann eine regionale Erzählung, ein historisches Thema oder ein Natur-Thema (z.B. Moor) sein. Dabei kann die Geschichte oder das Rätsel sich über die verschiedenen Erlebnisstationen hin entwickeln und am Ende abschließen bzw. aufgelöst werden. In Rehburg-Loccum können die Kinder sich mit dem erwanderten Lösungswort eine kleine Belohnung in der Tourist-Information abholen.
Urheber: Touristikzentrum Westliches Weserbergland / Jens König | CC BY-SA 4.0 International

Beispiele aus der Praxis:

Übersicht familienfreundlicher Wander-Routen in Niedersachsen: Familienfreundliche Wanderwege

Die Brockenbande im Harz bietet verschiedene Rätsel- und Erlebnistouren im Harz. Für die Rallyes und Rätsel-Touren sind Unterlagen in den touristischen Vertretungen vor Ort erhältlich oder stehen digital zum Download bereit, wie z.B. in Hahnenklee. Eine Rätsel-Tour per Smartphone bietet die Rätseltour in Goslar. Die Kindererlebnisse werden unter dem einheitlichen Thema der „Brockenbande“ entwickelt und mit Podcasts, Spielen und Entdeckerheft vermarktet.

Aktiv-Pfade im Naturpark Moor – Veenland Mit digitalen Rätseljagden per QR-Code, Rätselbögen zum Ausdrucken und einem umfangreichen Forscherheft laden die Aktivpfade Kinder dazu ein, den Lebensraum Moor zu entdecken.

Wichtelpfad Sievershausen im Solling mit verschlüsselten Nachrichten, Wichtelsteg mit Wackelbrücke und Vogelbeobachtungs-Hütte. Ausgezeichnet mit dem Siegel „Kurzer Qualitätsweg Familienspaß“ der Initiative Wanderbares Deutschland.

Erlebnispfad WeltWald Harz: Der Erlebnispfad ist ein kleiner Pfad, der auf verschlungenen Wegen bergauf bergab unterhaltsam durch die verschiedenen Naturbereiche des Waldes führt. Gekennzeichnet ist er mit einer Adlerfeder, eine Karte des WeltWaldes zeigt die verschiedenen möglichen Wege.

Moorerlebnispfad Ahlenmoor: kinderwagentauglich, da durchgängig auf Holzbohlen mit 14 Infostationen zu Flora und Fauna.

Moorerlebnispfad Resse mit Holzsteg, Infotafeln, Plattformen und informativen Erlebnisstationen wie Moormatschkuhle und Schwingrasenbrücke.

Weitere Beispiele für Erlebniswege in Deutschland sind z.B. die Traumpfädchen mit Kinder-Wanderbuch und Stempelstellen im Rhein-Mosel-Eifel-Land und die Mounteens-Detektivwege in Oberstaufen.

Radfahren mit Kindern ist heutzutage eine beliebte Freizeitaktivität für Familien. Auch mehrtägige Radurlaube werden mit Kindern geplant.

Tipps für die Entwicklung familienfreundlicher Radrouten finden sich auf der Website des ADFC mit einem ausführlichen Leitfaden zum Download: ADFC-Empfehlungen für kinderfreundliche Radangebote – ADFC ( ADFC/Tourismus NRW e.V., 2023)
An Reisende die einen Radurlaub mit Kindern planen richtet sich die folgende Seite: Radurlaub mit Kindern | ADFC Radtourismus.

Die technische Fortentwicklung ermöglicht Touren schon mit kleinen Kindern: Fahrradanhänger, Kindersitz und Lastenrad sind schon für Kinder ab ca. 6 Monaten geeignet. Sportliche Kinderräder ermöglichen es Kindern ab 4 Jahren aufwärts längere Strecken zu fahren. In den Anfangsjahren ermöglicht eine Tandemkupplung Kindern selbständig zu fahren und bei Bedarf am Eltern-Rad anzukoppeln.
Gute Gründe, in der eigenen Region kindgerechte Radtouren zu planen und auszuweisen. Doch worauf ist bei der Planung eines Familien-Radweges zu achten?

Im o.g. ADFC-Leitfaden „Kinderfreundliche Radangebote“ werden folgende Voraussetzungen thematisiert:

  • Infrastruktur:
    • Sicherheit und geringe Verkehrsbelastung
    • Wegebreite von 2m für die Befahrung mit Anhänger
    • gute Oberflächenqualität
    • steigungsarme, abwechslungsreiche Routenführung mit Erlebnischarakter.
  • Streckenlänge: Die optimale Länge variiert nach Alter und Übung der Kinder. Der ADFC unterscheiden zwischen
    • Mini (bis Ende 4. Lebensjahr), für die als Mitfahrer bei den Eltern auch Stecken bis 30 km in Frage kommen.
    • Für selbst fahrende Midis ohne Tandemkupplung sollte die Strecke nicht mehr als 15 km betragen.
    • Für ältere Kinder sind bis zu 30 km am Tag ein guter Richtwert.
      Bei Rundwegen können Abkürzungen für die Variation der Streckenlänge eingeplant werden, wie z.B. bei der Dino-Tour in Rehburg-Loccum. Sind öffentliche Verkehrsmittel mit Fahrradtransport vorhanden (Bahn, Schiff, Bus mit Radtransport), können  auch diese zur Abkürzung der Route empfohlen werden.
  • Begleitende Infrastruktur:
    • Barrierefreie Bahnhöfe als Start- und Zielpunkt für die Anreise mit ÖPNV
    • Radverleih mit Kinderrädern, Anhängern, Kindersitzen, Trailorbikes am Startpunkt
    • Familiengerechte Gastronomie- und Versorgungsmöglichkeiten
    • Familiengerechte Rastplätze, möglichst mit Erlebnischarakter, Themeninszenierung, Spielbereichen
    • Kindgerechte Sanitäranlagen
    • Infotafeln mit kindgerechter Gestaltung, Maskottchen, Quiz, Rallye. Für größere Kinder sind digitale Angebote denkbar.
    • Bei mehrtätigen Touren Empfehlung familien- und radfreundlicher Unterkünfte (z.B. mit der Zertifizierung Kinderferienland Niedersachsen und Bett+Bike)
  • Erlebnis: Auch bei Radtouren sind schöne Wegziele die beste Motivation. Doch anders als bei Erlebnis- und Themenwegen stehen nicht regelmäßige Erlebnisstationen, sondern eine gute Infrastruktur für Pausen z.B. mit Spielplätzen im Vordergrund. Gerade bei mehrtätigen Touren sollten zu den Altersgruppen passende POIs eingebunden werden. Z.B. ein schöner Ort zum Einkehren für die Mittagspause und ein Ziel mit Erlebnisfaktor für den Abend. Ein Abenteuerspielplatz oder ein Schwimmbad sind eine tolle Belohnung für die Tour.
  • Produktgestaltung: Bei der Entwicklung einer kindgerechten Radroute empfiehlt der ADFC eine Dramaturgie entlang der Strecke aufzubauen. Ein regional passendes Thema führt  wie ein roter Faden durch die verschiedenen Stationen der Route. Nicht nur für Kinder ist es ein besonderer Anreiz, wenn die Thematik in eine Rallye, Rätsel- oder Schatzsuchen-Tour eingebunden wird, die sich von Station zu Station weiterentwickelt.

Familiengerechte Radtouren in Niedersachsen bieten z.B. der Weserradweg oder die Heideregion Uelzen: Familien-Radtouren: Heideregion Uelzen.

Übersicht familienfreundlicher Rad-Routen in Niedersachsen: Familienfreundliche Radtouren

Urheber: DZT / Jens Wegener

Für die Vermarktung einer Route empfiehlt sich ein kindgerechtes Gestaltungselement, welches sich an der Ziel-Altersgruppe orientiert und einen hohen Wiedererkennungswert hat. An Wegweisern dient es der Orientierung.
Infomaterialien sollten digital verfügbar sein und sämtliche für Familien relevante Punkte aufweisen. Dazu zählen Gastronomie und Versorgungsstationen, familiengerechte POIs, Rast- und Spielplätze, Sanitäranlagen und Wickelmöglichkeiten. Bei mehrtägigen Touren sind auch Erlebniseinrichtungen und fahrrad- und familienfreundliche Unterkünfte von Bedeutung.

Urheber: https://www.rehburg-loccum.de/kultur-tourismus/radfahren/dino-tour/
Urheber: Stadt Rehburg-Loccum

Ein übersichtlicher Tourenplan dient der Orientierung. Symbole und Piktogramme erleichtern das schnelle Erfassen der Inhalte. Markante Wegpunkte und Erlebnisstationen können mit Piktogrammen oder kleinen Zeichnungen visualisiert werden, wie bei der Dino-Tour | Rehburg-Loccum.

Kindgerechte Wege-Symbole, z.B. mit Maskottchen, motivieren zu der Tour. Die Gestaltung sollte jedoch klar und deutlich sein. Gibt es verschiedene Routen oder Themenwege, können diese mit klaren Farben und Symbolen markiert werden. Wegweiser greifen die Piktogramme und Farben aus dem Lageplan auf. Ein gelungenes Beispiel hierfür ist der Wegeplan im WeltWald im Harz.

GPX-Daten ermöglichen die Routenführung per Smartphone.

Infotafel der Landesforsten am Baumwurzelpfad im Harz.Urheber: Dr. Bettina König | CC BY 4.0

Lust aufs Lesen machen heute viele Infotafeln.  Während früher lange Texte und detaillierte Schaubilder Informationen vermittelten, übernimmt diese Aufgabe heute das Internet. Infotafeln führen kurzweilig in ein Thema ein, gut strukturiert, übersichtlich, in einfacher Sprache und großer, gut lesbarer Schrift. ‚
Gelungene Beispiele:

  • Infotafeln am Erlebnisweg Totes Moor (Steinhuder Meer): Kurz und anschauliche Infos zu Flora und Fauna, unterhaltsam geschrieben mit ein paar „Fun Facts“.
  • Einbecker Bier-Pfad als Stadtrundgang mit kurzen Infos und Bildern, dazu QR-Codes zu einem Hörangebot und weiteren Informationen
  • Dino-Tour in Rehburg-Loccum: Kleine Kinder-Tafeln mit Rätseln sind unterhalb der großen Infotafeln montiert

Erlebnis-Stationen vermitteln Themen interaktiv, laden zum Mitmachen, Rätseln oder Spielen ein. Beispiele:

  • Ausguck-Turm: Kinder werden aufgefordert verschiedene Tiere in der Landschaft zu finden, auf die sie blicken. Im WeltWald sind die Tiere als große Aufsteller tief im Wald und hoch auf den Bäumen versteckt – entsprechend ihres Lebensraumes.
  • Springen: Sandfläche mit Absprung-Markierung. Wie weit springe das Kind? Geschnitzte Tiere markieren, wie weit Eichhörnchen, Fuchs, Wolf etc. springen.
  • Klang-Hölzer: Wie klingen verschiedene Holzarten.
  • Trittsiegel aus Holz zeigen  die „Fußabdrücke“ eines Tiers in Originalgröße.
  • Rätsel-Stationen können sich einzeln einem bestimmten Thema widmen oder über den ganzen Themenweg verteilt zu einem Lösungswort oder Code führen.
  • Fühl-Stationen Informationen vermitteln wir meistens visuell. Eine tolle Ergänzung sind Fühl-Stationen: wie fühlt sich die Haut/ das Fell eines Tieres an, wie fühlt sich Moorboden an, die Rinde eines Baumes, wie schwer ist der Stein?  
  • Murmel-Bahnen sind nicht nur für Kinder faszinierend. Wetterfest gestaltet, werden Sie z.B. in Oberstaufen im Imberg in eine Detektiv-Rallye integriert.
Quiz-Wand mit Klappen zu tierischen Sprichwörtern im Wisentgehege in Springe

Für die Planung einer Mitmach-Station helfen folgende Fragestellungen:

  • Welche Themen eignen sich für das Hands-On?
  • Welche Inhalte wollen wir vermitteln?
  • Welche Altersgruppe möchten wir erreichen, Kinder, Erwachsene oder beide?
  • Ist die Station allein nutzbar oder für mehrere Besucher gedacht?
  • Welche Sinne sprechen wir an?
  • Ist die Station stabil genug für die dauerhafte Nutzung?
  • Sind alle Sicherheitsaspekte berücksichtigt und Verletzungsgefahren ausgeschlossen?
GESA POLSTER

Qualitätsmanagerin Kinderferienland Niedersachsen

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