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Die “Klimakiste” aus Hameln

©Quelle: HamelnMarketing

5 Fragen an…

Dennis Andres, Geschäftsführer Stadtmarketing Hameln

…über das medial vielbeachtete Projekt „Klimakiste“ und wie klimatische Veränderungen vor Ort schon heute den Tourismus in der Stadt verändern.

 

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Herr Andres, wie erleben Sie die klimatischen Veränderungen in Hameln und beeinflussen diese heute schon den Tourismus in der Stadt?

Andres: Die Sommer werden spürbar heißer und die Temperaturen in der Innenstadt erreichen immer öfter 30 Grad und mehr. Und genau dort, wo die Temperaturen durch die Versiegelung besonders hoch sind, spielt die Sage des Rattenfängers. Wir merken schon heute, dass die Aktivität der Besucher an heißen Tagen nachlässt. Statt ins Museum zu gehen oder an einer Stadtführung teilzunehmen, sucht man sich dann lieber einen schattigen Platz. Zwischen 12:00 und 16:00 Uhr ist an sehr heißen Tagen auch auf dem Weser-Radweg weniger los, der direkt an der Innenstadt vorbeiführt. Und das ist kein Gefühl – das zeigen uns unsere Frequenzzähler. Wir müssen unseren Gästen im Sommer also zunehmend Alternativen anbieten können.

 

Wie ist es aus dieser Überlegung heraus dann konkret zur Projektidee der Klima-Kiste gekommen und welche Partner sind an dem Projekt beteiligt?

Wir hatten für die Innenstadt schon länger Forderungen nach mehr Grün und mehr Bäumen. Früher gab es in der Innenstadt zum Beispiel große Geranienbeete. Auch das wünschten sich viele Menschen zurück. Bäume zu pflanzen, ist aber nicht so einfach umsetzbar, weil im Boden viele unterirdische Leitungen verlaufen. Also haben wir nach anderen Lösungen gesucht. Am Ende stand die Idee der Klima-Kiste, ein fünf mal sieben Meter großes Gebilde, das erstmal wie ein Fremdkörper in der historischen Altstadt steht. Sie soll das nötige Bewusstsein schaffen und mittels Umfragen, die Wünsche der Besucher zur Klimaanpassung aufnehmen. Sobald man eintritt, erlebt man den Unterschied zwischen einer versiegelten Stadt und einem Stück Wald. Der Temperaturunterschied beträgt bis zu 12 Grad. Man hört Vogelgezwitscher, sieht und riecht Blumen, Bienen summen herum. Und wer sich auf eine der Bänke setzt, kann in feinem Sprühnebel abkühlen. Die Klima-Kiste macht so erlebbar, wie sich unsere Art, Städte zu gestalten, auswirkt. Mit der Stadt Hameln, der Klimaschutzagentur und dem Grünen Labor haben wir auch schnell gute Partner für die Umsetzung gefunden.

 

Wie wurde das Projekt umgesetzt und finanziert? 

Die Klima-Kiste ist eingebettet in das Stadtprojekt „Komm, wie du bist“, bei dem auch diesen Sommer rund 100 Einzelmaßnahmen, wie Grünelemente, Kicker- und Schachstationen sowie Lademöglichkeiten für Handy und E-Bikes, Raum zum Verweilen und Genießen schaffen. Bei Kindern der Renner: unser Pop-up-Spielplatz mit Wasserfontänen. Es geht also darum, die Stadt attraktiver und lebenswerter zu machen. Das Projekt Klima-Kiste lief dabei konkret über das Programm „Zukunftsräume“ vom Niedersächsischen Ministerium für Bundes- und Europaangelegenheit und regionale Entwicklung. Abgerundet wird das Projekt von sogenannten Gartenpartys, auf denen man handfeste Informationen rund um die Themen Klimawandel und Klimaanpassung bekommt.

 

Wie wurde das Projekt von den Einheimischen und Besuchern angenommen? 

Wie es immer ist, gab es am Anfang Skepsis. Aber ziemlich schnell wurde das Projekt dann auch von den Einheimischen dankbar angenommen, beispielsweise von älteren Menschen, die in der Innenstadt einen Arzttermin haben und hier kurz abkühlen. Auch medial wurde die Klima-Kiste viel beachtet: Ein Beitrag in der Tagesschau zur Prime Time löste sogar einen wahren Besucheransturm aus. Das Feedback zeigt, dass das Projekt bei Gästen und Bewohnern ein voller Erfolg ist.

 

Sind nach der Klima-Kiste bereits weitere Maßnahmen geplant und was würden Sie anderen Destinationen raten, die den Umgang mit dem Klimawandel aktiv gestalten wollen?

Ich rate Kommunen dazu, bei derlei Prozessen „out oft the box“ zu denken. Wir selbst wären auf viele Dinge nicht von allein gekommen, sondern haben uns von einer branchenfremden Kreativagentur begleiten lassen. Wenn möglich, sollte man Klimaanpassung und Erlebnischarakter versuchen miteinander zu verbinden. Was ich ebenfalls empfehle, ist sich nach Fördermitteln umzusehen. Nicht zuletzt sollte man schnelle Entscheidungswege suchen. Wenn immer erst alles durch den Rat müsste, kommt man nicht voran.
Wir selbst sind für weitere Maßnahmen für diesen Sommer noch mitten in den Planungen. Fest steht aber schon, dass wir eine Wand des Rathauses komplett begrünen werden und dies mit einer Kunstinstallation verbinden wollen. Wir planen ein großes Beschattungs-Element über einem Brunnen, der im Sommer bei Kindern sehr beliebt ist. Und in die Klima-Kiste soll ein Bienennest einziehen, was wir gerade aber noch mit dem Imkerverband besprechen. Um die Stadt noch resilienter gegen Hitze zu machen und unseren Weg weiterzugehen, sind weitere Fördergelder ebenfalls bereits beantragt.

 

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Autorin: Frederike Loeck
TourismusMarkting Niedersachsen GmbH
Kommunikationsmanagerin
E-Mail: loeck@tourismusniedersachsen.de
Telefon: 051127048847
Kategorien:
Klimawandel · Nachhaltigkeit · Partner


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