
Der DümmerWeserLand Touristik e.V. bietet touristischen Betrieben noch bis Ende März eine kostenfreie Erstzertifizierung von „Bett & Bike“, „Reisen für Alle“ oder dem „Kinderferienland“-Siegel an. Welche Ziele verfolgen Sie mit dieser Aktion und was hat Sie dazu bewogen, diese Aktion zu starten?
Dorothea Schneider: Qualität spielt für Gäste heute eine zentrale Rolle, und wir als Tourismusorganisation möchten dieses Thema stärker in den Vordergrund rücken. Im DümmerWeserLand haben wir viele engagierte Betriebe, aber insgesamt noch wenig zertifizierte. Unser Ziel
ⓘUrheber: TMN/Kim Lumelius, Lizenz CC0 ist es, die Qualität sichtbarer zu machen und die Betriebe dabei zu unterstützen, sich professioneller zu positionieren. Ausgangspunkt war unser neues touristisches Entwicklungskonzept, das klare Ziele und Maßnahmen für die Region definiert und unter anderem darauf abzielt, die Service- und Erlebnisqualität für Gäste an den verschiedenen Kontaktpunkten zu verbessern. Die Qualitätsinitiative ist dabei ein zentraler Baustein. Die gewählten Siegel passen zudem perfekt zu unseren Zielgruppen: Familien profitieren vom „Kinderferienland“, aktive Gäste vom „Bett & Bike“-Label, und „Reisen für Alle“ adressiert das wichtige Thema Barrierefreiheit, das für viele Menschen – auch Familien mit Kinderwagen oder ältere Gäste – entscheidend ist.
Welche Vorteile können Betriebe aus einer Zertifizierung mit Qualitätssiegeln ziehen?
Dorothea Schneider: Eine Zertifizierung ist mehr als nur ein Aushängeschild – sie schafft Vertrauen. Betriebe mit Siegel werden in touristischen Portalen besser gefunden, etwa bei der TourismusMarketing Niedersachsen GmbH (TMN), wo zertifizierte Anbieter online bevorzugt dargestellt werden. Auch auf unserer regionalen Website können Gäste gezielt nach Qualitätsbetrieben filtern. Studien zeigen, dass Betriebe mit Zertifizierung und guten Bewertungen höhere Buchungschancen haben. Darüber hinaus stellen viele Betriebe fest, dass schon kleine Verbesserungen im Rahmen der Zertifizierung eine große Wirkung für den Gast oder die Zielgruppe zeigen. Der Prozess einer Zertifizierung sensibilisiert Unternehmerinnen und Unternehmer für Gästebedürfnisse und Servicequalität. Wir übernehmen mit einem Fördertopf von insgesamt 150.000 Euro einen Teil der Kosten, wobei uns die Ko-Finanzierung durch den Landkreis Diepholz hilft. Weil die Betriebe erst einmal nichts bezahlen müssen, fällt vielen der Einstieg leichter.
Welche Erfahrungen haben Sie bisher mit der Resonanz der Betriebe auf Ihr Angebot gemacht und wie erreichen Sie die Betriebe, um auf Ihr Angebot aufmerksam zu machen?
ⓘUrheber: TMN/Torsten Krüger, Lizenz CC0
Dorothea Schneider: Die Resonanz ist erfreulich positiv. Viele Betriebe schätzen, dass sie durch uns einen konkreten Anreiz bekommen, sich mit dem Thema zu beschäftigen. Unsere Ansprache erfolgt über verschiedene Kanäle: klassische E-Mail-Benachrichtigungen, gezielte persönliche Kontakte und Infoflyer, die wir auf Basis der guten Informationen der Landestourismusorganisationen erstellt haben. Zusätzlich setzen wir auf den direkten Austausch in Versammlungen und Netzwerktreffen. Ohne gezielte direkte Ansprache geht es nicht. Eine wichtige Rolle spielt auch die Zusammenarbeit mit unseren Tourist-Informationen: Sie kennen die Betriebe oft persönlich, haben selbst Zertifizierungen wie „Reisen für Alle“ oder die „i-Marke“ durchlaufen und können aus erster Hand berichten. Das macht sie zu idealen Multiplikatoren in der Region. Nicht zuletzt sind auch wir selbst als Tourismusorganisation ServiceQ-zertifiziert. Wir leben vor, diesen Weg zu gehen und sich mit dem Thema Qualität zu beschäftigen.
Wie konkret definieren Sie als regionale Tourismusorganisation Ihre Rolle in dem Prozess?
Dorothea Schneider: Wir sehen uns als Impulsgeber, Mentor und Begleiter. Wir beraten Betriebe individuell, vermitteln Kontakte zu den Zertifizierungsstellen und übernehmen über den Fördertopf des Landkreises und unsere Ko-Finanzierung derzeit die Kosten. Hinzu kommen weitere Projekte, um die Infrastruktur und Angebotsqualität vor Ort zu verbessern. Unser Anspruch ist, langfristig eine Kultur der Qualität zu verankern – nicht als kurzfristige Kampagne, sondern als kontinuierlichen Entwicklungsprozess.
Blicken wir in die Zukunft: Welche weiteren Qualitätsmaßnahmen planen Sie, um die touristische Attraktivität des Dümmer-Weser-Landes nachhaltig zu stärken?
Dorothea Schneider: Qualität ist kein abgeschlossenes Projekt, sondern eine Haltung. Wir wollen das Thema langfristig und systematisch weitertragen – durch Informationsveranstaltungen, Workshops und kontinuierliche Kommunikation mit den Betrieben. Neben den Zertifizierungen planen wir gemeinsam mit den Landkreisen und Kommunen Investitionen in Radwege, digitale Gästeinformationen und mehr barrierearme Angebote. Auch die Sensibilisierung für Themen wie Nachhaltigkeit und Service wird stärker in den Fokus rücken. Unser Ziel ist, dass Gäste die Qualität spürbar wahrnehmen – im Service, in der Unterkunft und in ihrem gesamten Urlaubserlebnis. So stärken wir nachhaltig die Wettbewerbsfähigkeit und Identität unserer Region.