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Bedeutung des Tourismus im Landkreis Rotenburg

Urheber: Touristikverband LK Rotenburg, Lizenz: CC BY-SA

dwif legt aktuelle Zahlen zu Wirtschaftskraft, Aktivtourismus und regionalen Potenzialen vor

Rund 60 Gäste aus Verwaltung, Politik, Beherbergung, Gastronomie, Vereinen sowie Freizeit- und Kulturwirtschaft nahmen am 30. Juni an der Vorstellung der neuen dwif-Studie „Wirtschaftsfaktor Tourismus im Landkreis Rotenburg (Wümme)“ im Kreishaus teil. Landrat Marco Prietz, zugleich 1. Vorsitzender des Touristikverbandes, eröffnete die Veranstaltung und betonte die Relevanz aktueller Daten für strategische Entscheidungen. „Der Landkreis Rotenburg ist keine klassische Urlaubsregion mit großen Freizeitparks oder Hotspots. Seine Stärke sind Natur, Ruhe und authentische Aktivangebote. Und genau darin liegt ein enormes Potenzial für hochwertige Wertschöpfung in den nächsten Jahren“ so Prietz. Die Studie wurde vom Touristikverband Landkreis Rotenburg (Wümme) e. V. finanziert und von den Sparkassen Rotenburg Osterholz sowie Scheeßel unterstützt. Geschäftsführer Udo Fischer erläuterte die Notwendigkeit einer neuen Untersuchung. Die letzte Studie liege über zehn Jahre zurück, und seitdem habe sich die Region u.a. mit den NORDPFADEN und neuen digitalen Strukturen sowie dem aktuellen Großprojekt NORDROUTEN FahrRAD erheblich weiterentwickelt. Nur eine aktuelle Datenbasis ermögliche es, den Status quo realistisch einzuschätzen und gezielt Maßnahmen abzuleiten.

289 Mio. Euro Umsatz pro Jahr: Ein stabiler Beitrag zur regionalen Wirtschaftsstruktur

Karsten Heinsohn, Geschäftsführer der dwif-Consulting GmbH, stellte die zentralen Ergebnisse vor. Der Landkreis Rotenburg (Wümme) verzeichnet jährlich 7,976 Mio. Aufenthaltstage, davon 5,5 Millionen Tagesreisen. Insgesamt generiert der Tourismus 289 Mio. € Bruttoumsatz und 138,5 Mio. € touristische Wertschöpfung. Rund 4.034 Erwerbstätige sichern ihr Einkommen direkt durch touristische Aktivitäten, und 26,8 Mio. € gehen als Steueraufkommen an die öffentliche Hand.

Obwohl der Landkreis über keine touristischen „Leuchttürme“ nationaler Bedeutung verfügt, ist der Tourismus auch hier ein bedeutender Wirtschaftssektor. Er schafft Einkommen für zahlreiche Familien und Betriebe, und die Wertschöpfung verteilt sich breit in die Region – von Gastronomie und Beherbergung über Handwerk und Bauwirtschaft bis hin zu lokalen Dienstleistern wie Bäckereien oder Wäschereien. Der Anteil des Tourismus am Primäreinkommen liegt mit 2,4 Prozent zwar vergleichsweise niedrig, lässt sich jedoch gut einordnen: Die regionale Wirtschaftsstruktur ist stark diversifiziert und insgesamt sehr robust, sodass der Tourismus als ergänzender, aber stabiler Wirtschaftsfaktor wirkt.

Tagesreisen dominieren, VFR-Markt spielt eine große Rolle

Ein besonders starker Bereich ist der Tagesreisemarkt, der 69 Prozent aller Aufenthaltstage umfasst. Tagesgäste geben im Wümmekreis durchschnittlich 25,50 € aus, während Übernachtungsgäste in gewerblichen Betrieben auf 135,10 € pro Tag kommen. Dabei sind die Übernachtungsangebote breit gefächert, was die Region robust gegenüber Trends und Krisen macht.

Eine große Rolle spielt darüber hinaus der Bereich der Übernachtungen bei Verwandten und Freunden (VFR-Markt), der mehr als die Hälfte aller Übernachtungen ausmacht. Die Besuchshäufigkeit dieser sogenannten Sofatouristen liegt bei 5 Aufenthalten im Jahr, die durchschnittliche Aufenthaltsdauer bei 2,3 Nächten.

Wander- und Radtourismus: Hohe Aktivität, großes Potenzial

Ein Schwerpunkt der Studie war die Betrachtung und Bewertung der regionalökonomischen Effekte des Wander- und Radtourismus. Über 80 Beherbergungsbetriebe beteiligten sich an einer Onlinebefragung, was eine sehr hohe Beteiligung laut Heinsohn bedeute. Die Ergebnisse zeigen, dass 65,8 Prozent der Gäste täglich Fahrrad fahren und 58,2 Prozent täglich wandern. Die Aufenthaltsdauer beträgt bei Urlaubsgästen 5,3 Tage, wobei Wandernder 3,4 Tage und Radfahrer 2,6 Tage in der Region verweilen. Insgesamt entstehen 545.000 Aufenthaltstage durch das Wandern und 536.000 durch den Radtourismus. Diese Aktivitäten generieren Umsätze von 14,9 Mio. € (Wandern) und 18,3 Mio. € (Radfahren).

Heinsohn hob hervor, dass die hohen Aktivitätsraten bemerkenswert seien, insbesondere da der Landkreis keine klassischen Wanderlandschaften oder Höhenmeter aufweise. Die NORDPFADE hätten sich etabliert, und mit den geplanten Radangebot „NORDROUTEN“ werde sich die Destination ab 2027 als Aktivregion noch deutlicher am Tourismusmarkt für Radler positionieren.

Vergleich mit anderen Regionen: Keine Leuchttürme, aber nachgefragt

Der Vergleich mit anderen Regionen zeigt, dass der Landkreis Rotenburg (Wümme) im Gegensatz zu Gebieten wie dem Heidekreis, dem Emsland oder dem Landkreis Stade über keine großen touristischen Leuchttürme verfügt, sondern vor allem durch Natur, Ruhe und Aktivangebote überzeugt. Die Auslastung der gewerblichen Betriebe liegt mit 25,5 Prozent vergleichsweise niedrig, während die Übernachtungsintensität mit 3,3 Übernachtungen pro Einwohner über dem Wert von Osterholz und Mittelweser liegt. Die Region punktet zudem durch stabile Nachfrage, hohe Aktivitätsraten und eine strategisch gute Lage zwischen Hamburg und Bremen.

Tourismus ist solide aufgestellt, aber es gibt Luft nach oben

Im Fazit zeigt sich, dass der Tourismus im Landkreis Rotenburg (Wümme) solide aufgestellt ist und über ein großes Potenzial bei Qualität, Buchbarkeit und zusätzlichen Angeboten verfüge. Heinsohn erklärte, dass touristische Buchungs- und Reiseprozesse zunehmend kurzfristiger und stärker von spontanen Entscheidungen, flexiblen Preisreaktionen und Wetterabhängigkeiten geprägt seien. Betriebe sind daher gefordert, flexibel zu kommunizieren und anpassungsfähige Angebote zu entwickeln.

Passend zur gesamtwirtschaftlichen Bedeutung des Tourismus wird zudem für Heinsohn deutlich: „Tourismus ist ein Wertschöpfungsmotor für den Landkreis Rotenburg (Wümme). Die Zahlen belegen: Das Engagement aller Partner der öffentlichen Hand und der Wirtschaft zeigt Wirkung. Gerade bei den Trendthemen im Aktivtourismus – Wandern und künftig auch Radfahren – hat sich der Landkreis eine starke Position erarbeitet, deren Potenziale es weiter zu erschließen gilt.“

Klare Aufträge für die Weiterentwicklung

Die Studie empfiehlt für die kommenden Jahre insbesondere eine konsequente Qualitätssteigerung, verlässliche Öffnungszeiten, eine klare touristische Infrastruktur, mehr buchbare Angebote sowie eine stärkere Einbindung regionaler Produkte. Ziel sei es, Tagesgäste häufiger zu Wochenend- oder Urlaubsgästen zu entwickeln und zusätzliche Wertschöpfung in der Region zu halten. Udo Fischer betonte den strategischen Wert der neuen Daten. Sie lieferten eine belastbare Grundlage für die zukünftige Ausrichtung des Tourismus im Landkreis Rotenburg (Wümme). Ergänzend fasst er zusammen: „Wir haben eine gute Basis und wissen jetzt noch genauer, wo wir stehen. Entscheidend wird sein, Qualität zu erhöhen, Angebote sichtbar und buchbar zu machen und Wertschöpfung stärker in die Region zu holen.“

 

Ansprechpartner:

Udo Fischer
Touristikverband Landkreis Rotenburg (Wümme) e.V.
Tel. 04261 8196-11
E-Mail: fischer@tourow.de



BEITRAG VOM:
20. Juli 2026

Kategorien:
Marktforschung · Partner


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