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Bikesharing in der Metropolregion Hamburg

ⓘUrheber: Mediaserver Hamburg / Christian Brandes

Leitfaden für Planung, Betrieb und Vernetzung

Die Metropolregion Hamburg hat das Potenzial und das Angebot für Bikesharing in der Region analysiert und schafft damit eine gemeinsame Grundlage für die Planung, Einführung und Weiterentwicklung regionaler Angebote. Zum Abschluss des Projekts „Bikesharing als Teil der vernetzten Mobilität“ liegt jetzt ein Leitfaden für die Praxis vor. Er unterstützt Kommunen dabei, gemeinsam mit Partnern, wie der Tourismuswirtschaft oder Unternehmen, Bikesharing-Angebote zu planen, zu kalkulieren und aufzubauen – wo möglich über Stadt-, Kreis- und Landesgrenzen hinweg.

Bikesharing-Angebote können den Alltag vieler Menschen erleichtern: Pendelnde kommen schneller vom Bahnhof zum Arbeitsplatz. Gäste erreichen touristische Ziele ohne eigenes Auto. Menschen ohne Fahrrad erhalten eine zusätzliche Möglichkeit, mobil zu sein. Wohnquartiere, Gewerbegebiete, Bildungsstandorte und Ortszentren werden besser miteinander verbunden. Damit trägt Bikesharing zu besserer Erreichbarkeit, höherer Lebensqualität und weniger CO₂-Emissionen in der Region bei. Es hilft insbesondere auf der sogenannten ersten und letzten Meile, also auf Wegen zwischen Bahnhof, Haltestelle, Wohnort, Arbeitsplatz, Schule, Ausflugsziel oder Ortszentrum. Damit kann es Lücken im bestehenden Mobilitätsangebot schließen und Alltagswege für Einheimische und Gäste einfacher und komfortabler machen. Gerade für kleinere und mittlere Kommunen kann es sich lohnen, zusammenzuarbeiten, um Synergieeffekte zu nutzen. Gemeinsame Ausschreibungen, einheitliche Datenstrukturen, abgestimmte Tarife und eine einheitliche Bedienung des Systems können den Aufwand senken, die Sichtbarkeit erhöhen und die Nutzung für die Menschen einfacher machen.

Neu: Potenzialanalyse für die ganze Region

Ein zentrales Ergebnis ist eine datenbasierte Potenzialanalyse für die Metropolregion. Ausgewertet wurden ÖPNV-Erschließungsqualität, Bevölkerungs- und Arbeitsplatzdichte, und Tourismusintensität. Die Analyse zeigt, wo Potenzial für die Nutzung besteht. Damit erhalten die Kommunen erstmals eine gemeinsame fachliche Grundlage, um Potenziale einzuschätzen, geeignete Räume zu erkennen und Kooperationen früh zu prüfen. Der Leitfaden enthält ausführliche Erläuterungen zu den einzelnen Schritten sowie Checklisten und Hinweise zu Ausschreibung, Tarifgestaltung, Datenschutz, Marketing, Erfolgskontrolle und Kosten. Ein Rechentool hilft, die Kosten für Investition und Betrieb abzuschätzen. Erarbeitet wurde der Leitfaden mit intensiver kommunaler Beteiligung. Mehr als 30 kommunale Partnerinnen und Partner haben an seiner Erstellung mitgewirkt.

Vier Beispiele für mögliche Kooperationsräume

Beispielhaft wurden vier mögliche Kooperationsräume vertieft betrachtet. Untersucht wurden die Ostseeküste mit Gemeinden im Kreis Ostholstein und der Hansestadt Lübeck, der Raum Buxtehude, Teile des Altes Landes und Neu Wulmstorf, der Raum Seevetal, Rosengarten, Buchholz und Stelle sowie die Stadt Cuxhaven und Kommunen in ihrem Umland. Die Ausgangslagen der Räume unterscheiden sich: Es gibt touristisch geprägte Küstenräume, eng verflochtene Stadt-Umland-Beziehungen, Pendelachsen, zentrale Orte und ländlich geprägte Räume.

Kernempfehlung: zuerst klären, welches Problem soll Bikesharing lösen

Der Leitfaden empfiehlt den Kommunen, zunächst ein Ziel zu entwickeln: Welches Problem soll Bikesharing vor Ort lösen? Soll es vor allem Bahnhöfe und Knotenpunkte von Bus und Bahn besser anbinden, Gewerbegebiete erreichen, touristische Wege erleichtern oder Wohngebiete mit wenig Anbindung verbinden? Erst danach sollten die Kommunen über Räder, Stationen, Tarife, App, Ausschreibung und Betrieb entscheiden.

Eine weitere Kernempfehlung lautet: Dichte schlägt Fläche. Das heißt: Wenige Räder, die über ein großes Gebiet verteilt sind, ergeben meist kein verlässliches Angebot. Erfolgreicher sind sichtbare, zusammenhängende Netze an wichtigen Alltagsorten wie Bahnhöfen, Ortszentren, Bildungsstandorten, bei größeren Arbeitgebern, touristischen Zielen und in Wohnquartieren.

Der Leitfaden zeigt außerdem: Bikesharing bindet bei der Kommune oder den Betreiberinnen dauerhaft Personal und Geld. Gesichert sein muss nicht nur die Anschaffung, sondern vor allem der laufende Betrieb. Förderungen von Investitionen zum Projektstart, etwa über die Förderfonds der Metropolregion Hamburg, sind im Einzelfall möglich, ersetzen aber keine dauerhafte Grundfinanzierung.

Empfohlen werden zudem Systeme mit festen Ausleih-Stationen als verlässlicher Einstieg, offene Schnittstellen, die Daten so bereitstellen, dass Apps und Verkehrsverbünde sie nutzen können, eine Verknüpfung mit Bus und Bahn, einfache Tarife sowie eine frühzeitige Erfolgskontrolle.

Jetzt sind Kommunen und die Tourismuswirtschaft gefragt

Mit dem Abschluss des Projekts liegt die gemeinsame fachliche Grundlage vor. Analyse und Empfehlungen bieten den Kommunen in der gesamten Metropolregion Hamburg Daten als Startpunkt für ihre weiteren Planungen.

Kommunen, die prüfen, ob und wie Bikesharing zu ihren Zielen passt, sollten Kooperationsräume mit Nachbarkommunen, Verkehrsunternehmen, Tourismusorganisationen, Arbeitgebern und der Wohnungswirtschaft ausloten. Verkehrsverbünde und Mobilitätsanbieter sind gefragt, wenn Bikesharing in bestehende Apps, Tarife und Mobilitätsangebote eingebunden werden soll.

Die Ergebnisse wurden am 3. November 2026 in Bad Oldesloe vorgestellt. Projektbeteiligte Fachleute und die kommunale Ebene tauschten Erfahrungen aus und diskutierten die weitere Umsetzung in der Metropolregion Hamburg. Als Inspiration für ein kreisübergreifendes System innerhalb eines Verkehrsverbundes diente MyRadl München. Dort wurde ein kommunenübergreifendes Bikesharing-System im Gebiet des Münchner Verkehrs- und Tarifverbundes aufgebaut.

Hintergrund

Das Projekt „Bikesharing als Teil der vernetzten Mobilität“ wurde durch das Tourismus- und Freizeitentwicklungskonzept der Metropolregion Hamburg angeregt. Es verbindet die Themen nachhaltige Mobilität, Erreichbarkeit im Alltag, Freizeit und Tourismus. Kommunen und Organisationen aus Hamburg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein waren daran beteiligt. Federführend war der Kreis Segeberg. Die Metropolregion Hamburg hat das Vorhaben mit 80 Prozent der Projektkosten gefördert. Insgesamt standen 200.000 Euro zur Verfügung. Fachlich begleitet wurde das Projekt durch die Büros Interlink GmbH und inno2grid GmbH

Beteiligte Kommunen und Organisationen:
Hamburg Freie und Hansestadt Hamburg
  Hamburger Verkehrsverbund (hvv)
Niedersachsen Landkreis Cuxhaven
  Landkreis Harburg
  Landkreis Stade
  Landkreis Uelzen
  Hansestadt Buxtehude
  Hansestadt Lüneburg
  Hansestadt Uelzen
  Stadt Buchholz
  Gemeinde Seevetal
  Samtgemeinde Horneburg
  Samtgemeinde Nordkehdingen
  Samtgemeinde Oldendorf-Himmelpforten
  Tourismusverband Landkreis Stade
  Urlaubsregion Ebstorf e.V. Lüneburger Heide
Schleswig-Holstein Kreis Dithmarschen
  Kreis Herzogtum Lauenburg
  Kreis Ostholstein
  Kreis Pinneberg
  Kreis Segeberg
  Kreis Steinburg
  Kreis Stormarn
  Hansestadt Lübeck
  Stadt Geesthacht
  Stadt Neumünster
  Mittelzentrum Reinbek, Glinde, Wentorf bei Hamburg
  IHK Lübeck
  Herzogtum Lauenburg Marketing und Service GmbH
  Holstein Tourismus e.V.
  Lübeck Travemünde Marketing
  Ostsee-Holstein-Tourismus e.V.
  Tourismusmanagement Stormarn

 

Ansprechpartnerin:

Metropolregion Hamburg
Marion Köhler
Tel.: 040 428 41 2604
E-Mail: marion.koehler@metropolregion.hamburg.de



BEITRAG VOM:
6. November 2026

Kategorien:
Mobilität · Partner


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