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Digitalisierung von Tourendaten und deren Distribution

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„Laut ADFC-Radreiseanalyse 2021 ist Niedersachsen mit 10,1 Prozent auf den dritten Platz unter die beliebtesten Bundesländer für Radreisen gewählt worden.“

Höhere Zugriffszahlen auf Websites der Radfahrregionen in Niedersachsen und eine große Anzahl heruntergeladener GPS-Tracks belegen dies. Es ist ein deutlicher Trend zur Naherholung erkennbar, denn es wurden im Jahr 2020 41 Prozent mehr Radausflüge in der Freizeit verzeichnet als im Vorjahr.

Digitalisierte Tourendaten: dem Gast die beste Führung geben

Ein Ziel zu finden, ist inzwischen mithilfe des Smartphones kein Problem mehr, aber Google Maps, komoot und andere Apps leiten den Gast leider oft auf ungeeigneten Wegen zum ausgewählten Ziel. Ausgearbeitete Tourenangebote der Destinationen und Leistungsträger, inzwischen auch digital verfügbar, bilden daher immer wertvollere Produkte. Der hochwertige Content, der inzwischen im Niedersachsen Hub vorgehalten wird, muss aber auch seinen Weg auf das Smartphone bzw. das GPS-Gerät des Gastes finden, will zudem gepflegt und aktualisiert werden. Dieser Beitrag widmet sich dem Management touristischer Geodaten, mit dem Ziel, auch kleinen Destinationen und technisch weniger versierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern das Handling dieser Daten zu ermöglichen.

Wie digital ist der Gast auf Outdoortouren unterwegs?

Insbesondere Radfahrer, aber auch Wanderer nutzen zur Orientierung unterwegs ihr Smartphone mit Apps wie z.B. komoot. Nach eigenen Angaben hat komoot inzwischen fast 17 Millionen Nutzer (Stand März 2021), mit einer fast 50-prozentigen Steigerung gegenüber dem Vorjahr. Die jährlich durchgeführte ADFC-Radreiseanalyse gibt in der aktuellen Version 2021 Auskunft über die Nutzung analoger und digitaler Medien vor und während der Radreise.

Auf die Frage „Welche Informationsquellen und Medien nutzen Sie hauptsächlich bei der Vorbereitung der Radreise?“ gaben mehr als drei Viertel der Befragten als Hauptquelle das Internet an, gefolgt von Empfehlungen von Freunden (43 %). Mit 42 Prozent fast gleichauf liegen die klassischen Papierkarten, mit deutlichem Vorsprung vor Apps (35 %) und der Anfrage bei Tourist-Informationen (23 %). Der Anteil der Apps hat sich mit einem Prozentpunkt Plus gegenüber dem Vorjahr kaum verändert, und auch die Nutzung der anderen Medien schwankt nur gering.

Während der Radreise werden analoge Hilfsmittel – also Beschilderung und Papierkarten – immer noch sehr stark herangezogen. Jeder zweite nutzt unterwegs Apps, und dabei hat komoot seine Spitzenposition noch weiter ausbauen können. So wählen 63 Prozent der App-affinen Radtouristen komoot auf dem Smartphone, noch vor Google / Google Maps, gefolgt von regionalen Apps mit einem Anteil von 14 Prozent . Für Wanderer liegen keine vergleichbar aktuellen Zahlen vor. Frühere Untersuchungen deuten darauf hin, dass sie Outdooractive stärker nutzen als Radfahrer.

Das perfekte Outdoor-Routingsystem gibt es (noch) nicht

Für die Orientierung nimmt sich der Outdoor-Tourist in der Regel nur wenig Zeit. Viele Nutzer planen ihre Tour nicht vor, sondern geben zu Beginn der Tour auf ihrem Smartphone ein Ziel ein und lassen sich dorthin routen, obwohl entsprechende Tourenportale wie komoot auch fertige Touren anbieten. Bei dieser Vorgehensweise spielt offensichtlich die positive Erfahrung aus der Kfz-Navigation eine entscheidende Rolle – der Gast erwartet eine ähnlich einfache und komfortable Führung zum Ziel.

Hierbei schwingt die Erwartung mit, dass diese Routingsysteme eine touristisch attraktive Strecke berechnen. Dazu ist jedoch leider derzeit immer noch kein System, egal ob komoot, Outdooractive, Google Maps oder andere, in der Lage. Die Gründe hierfür sind vielfältig, dabei spielen die differenzierten Ansprüche des Gastes (z.B. asphaltierte oder nicht asphaltierte Stücke für Rennradfahrer bzw. Mountainbiker, Vermeidung von Steigungen oder sportliche Höhenmeter) eine Rolle, aber auch das zum Routing verwendete Datenmaterial (zum Beispiel OpenStreetMap). Darauf kann jedoch hier nicht weiter eingegangen werden.

Wie kommt der Gast an Qualitätstouren?

Viele Nutzer kennen inzwischen die Mängel des spontanen Routings und greifen auf Tourenvorschläge zurück, die in den entsprechenden Tourenportalen angeboten werden. Diese Touren stammen häufig von anderen Nutzern – mit den entsprechenden Qualitätsschwankungen. Zwar finden sich in den Portalen auch offizielle Touren der Destinationen, jedoch sind diese in der App leider nicht aktiv suchbar (komoot), oder sie werden nicht unbedingt als priorisiertes Suchergebnis ausgespielt (Outdooractive). Die Folge: Die von den touristischen Regionen vorgehaltenen Tourenvorschläge finden bei verstärkter Nutzung von Apps wie komoot immer seltener den Weg zum Gast.

Touristische Geodaten werden aber immer wichtiger, nicht nur als digitale Form des touristischen Produktes, sondern ebenso zur Lenkung des Gastes, auch für temporäre Umleitungen oder saisonale Angebote.

Dem Angebot qualifizierter Geodaten in Form von downloadbaren Tourenvorschlägen kommt daher eine sehr große Bedeutung zu. Im Übrigen sollte es inzwischen zum Angebotsstandard einer Destination gehören, ihre Tourenangebote digital vorzuhalten.

Der Niedersachsen Hub als landesweite Content-Plattform verfolgt das Ziel einer einheitlich hohen Qualität und einer ganzheitlichen Bündelung der touristischen Daten für Niedersachsen, damit der Gast genau die Daten bekommt, die er benötigt.

Welche Daten braucht der Gast?

Als Standardformat zum Download eines Tourenverlaufes und zur Übertragung auf mobile Endgeräte und Tourenplattformen hat sich gpx etabliert. Es reicht daher vollkommen aus, dieses Format im eigenen Downloadbereich anzubieten oder diese Dateien über den Niedersachsen Hub bereitzustellen. Auf weitere Formate (kml, kmz, ovl) kann verzichtet werden, um den Nutzer nicht unnötig zu belasten.

Fast alle GPS-Geräte und Outdoor-Apps für Smartphones können dieses Format verarbeiten – häufig durch direkten Datenimport. Tourenvorschläge in diesem Format können auch in die Webportale von komoot, Outdooractive etc. importiert werden. So kann der Nutzer sich schon zu Hause die gewünschte Tour in sein eigenes Outdoor-Navigationssystem importieren, sie eventuell nach individuellen Wünschen abändern und dann auf sein mobiles Endgerät übertragen.

Gpx-Dateien: viel drin, reduziert anbieten

Für die redaktionelle Arbeit – also den Entwurf eines Tourenvorschlags durch einen lokalen Touristiker, und damit sozusagen als Vorstufe zur Integration in den Niedersachsen Hub – liegen häufig Geodaten im gpx-Format vor.

Bei deren Verwendung sollten einige Besonderheiten beachtet werden. Eine gpx-Datei kann beispielsweise nur den Verlauf einer Strecke wiedergeben (Polylinie), es können aber auch mehrere dieser „Tracks“ in eine gpx-Datei integriert werden. Wegpunkte, also einzelne Ziele mit textlichen Beschreibungen, können ebenfalls enthalten sein. Programmtechnisch gesehen ist gpx eine reine Textdatei, die mit einfachen Editoren verändert werden kann, was gewisse GPS-Gerätehersteller auch tun – aber dann ist eine gpx-Datei möglicherweise nicht mehr von anderen Systemen lesbar.

Fazit: Der Inhalt einer gpx-Datei sollte vor der Weiterverwendung immer geprüft werden. Dazu bieten sich kostenlose Internet-Tools wie zum Beispiel ShowGPX an. Für den Import in den Niedersachsen Hub sollten die gpx-Dateien nur einen einzigen, durchgehenden Tourenverlauf enthalten. Diese einfache Form der gpx-Daten gilt auch für den Export aus dem Niedersachsen Hub heraus. Outdooractive bietet in seinen downloadbaren gpx-Dateien zusätzlich zum Tourenverlauf häufig noch zusätzliche Wegpunkte (Einzelziele) an, die aber von Apps wie komoot nicht gelesen werden können.

Vorhaltung dieser Daten im Niedersachsen Hub und Ausspielung auf Destinationsseiten

Sollen Tourenverläufe neu erzeugt werden, bieten sich hierzu kostenlose Internet-Tools wie BRouter-Web an. Damit sind auch Touristiker ohne spezielle Ausbildung in der Anwendung von Geoinformationen in der Lage, nach kurzer Einweisung eine Tour als gpx-Datei zu entwerfen.

Diese gpx-Datei kann dann als neue Tour oder als Aktualisierung eines bestehenden Verlaufs – in den Niedersachsen Hub im Content-Typ „Touren“ hochgeladen werden. Im System destination.one können also Tourenverläufe übernommen, bearbeitet, oder aber auch komplett neu entworfen und darüber an den Niedersachsen Hub freigegeben werden.

Eine weitere Möglichkeit, Touren im Niedersachsen Hub bereitzustellen ist, bestehende Tourenverläufe und originär zugehörige Wegpunkte bzw. POIs über eine Schnittstelle z. B. aus dem System von Outdooractive zu übertragen. So können die Datensätze zwar im Outdooractive-System gepflegt werden, erscheinen aber trotzdem im Niedersachsen Hub und erfahren so als offener Datensatz eine große Reichweitensteigerung.

Denkbar für eine Destinationsseite wäre der Download von Tourendaten zum einen in einer einfachen Form für gängige Smartphone-Apps (nur eine Linie ist vorhanden) und zum anderen für klassische GPS-Geräte (z.B. Garmin), aber auch leistungsfähigere Smartphone-Apps wie Topo GPS oder MapOut (beide kostenpflichtig). Darin können dann mehrere Tracks und auch Wegpunkte enthalten sein.

Möglichkeiten nachhaltiger Datenpflege durch die Touristiker

Jede Destination sollte ihre touristischen Produkte auch digital selbst mit gängigen Tools aufbereiten und das auch in entsprechender Qualität (Georeferenzierung, Aktualität, Datenformat etc.). Diese können dann in den Niedersachsen Hub importiert werden.

Der Verlauf ausgeschilderter Wege und die touristischen POIs sollten möglichst auch in OpenStreetMap eingepflegt werden. So erreicht man nicht nur ein aktuelles Wegenetz und die Auffindbarkeit von POIs, sondern verbessert die Datengrundlage für eine Vielzahl von Anwendern. Dies ist weniger für die Darstellung von Tourenvorschlägen wichtig (Tourenvorschläge sind kein Inhalt von OpenStreetMap – dafür ist der Niedersachsen Hub zuständig), als beispielsweise für ausgeschilderte Wegeverbindungen und Service-Objekte, von Hotels bis hin zu einzelnen Sitzbänken. Auch die großen Player wie komoot und Outdooractive nutzen OpenStreetMap für ihr eigenes Routing. Je besser die Daten in OpenStreetMap gepflegt sind, desto zielführender sind die Ergebnisse beim Routing auf verschiedensten Plattformen.

Chancen für eine Datendistribution mit unterschiedlichen Ausspielkanälen

Neben der Präsentation im Niedersachsen Hub und den daraus automatisch resultierenden vielfältigen Ausgabemöglichkeiten wie z. B. dem Radroutenplaner Niedersachsen, dem Rad-Navi oder der ADAC Trips-App, sollten die Daten auf jeden Fall auf den Internetseiten der Destinationen und in den meistgenutzten Portalen enthalten sein. Portale wie komoot, Outdooractive, aber auch Geolife sollten aktiv und kontinuierlich mit diesen Daten beliefert werden. Um Doppelarbeiten zu vermeiden, empfiehlt es sich beispielsweise, den Verlauf von Tourenvorschlägen und ausgeschilderten Wegen als vielfach nutzbare gpx-Dateien zu speichern und bei Aktualisierung an die jeweiligen Portale zu liefern. Perspektivisch besteht der Vorteil der Weitergabe der Touren an den Niedersachsen Hub auch darin, dass Portale und weitere externe Anbieter Datensätze aus dem Hub beziehen können und eine Zulieferung der Portale nicht mehr zwingend durch einzelne Akteure erfolgen muss.

Wichtig ist dabei, die Funktionsweise der Portale und ihre Möglichkeiten zu kennen. Gegebenenfalls ist eine unterschiedliche Datenaufbereitung notwendig, aber dies ist in vielen Fällen auch ohne großen Aufwand möglich und im Rahmen der jeweiligen Möglichkeiten durchaus effektiv.

Spezielle Eignung unter Corona-Bedingungen

Digitale Angebote sind gerade auch angesichts der Herausforderungen der Corona-Pandemie eine wichtige Hilfe. Dies betrifft sowohl die Zugänglichkeit als auch die Modifizierbarkeit des digitalen Datenangebotes.

Tourenvorschläge können temporär modifiziert werden, zur Vermeidung von Hotspots. Spezielle Corona-geeignete Touren können entwickelt und angeboten werden (siehe Infoblatt „Draußen unterwegs in Corona-Zeiten“). Eine neue Kategorie in OpenStreetMap sind die Corona-bedingten Öffnungszeiten und Zugangsbeschränkungen bei einzelnen Objekten – auch hier ist Pflege erforderlich.

Im Niedersachsen Hub gibt es vier Anforderungs-Ebenen an die Tourdaten:

  1. Technische Mindestanforderungen
  2. Minimale Anforderungen
  3. Anforderungen für gute Qualität
  4. Anforderungen für sehr gute Qualität

Welche Datenfelder dafür genau gepflegt werden müssen, um eine bestimmte Stufe der Datenqualität und der benötigten Pflichtfelder erreichen zu können, wird nachfolgend exemplarisch verdeutlicht:

Ein Workflow zur Bearbeitung von tourenbezogenen Geodaten könnte zusammengefasst so aussehen:

1.1 Wenn eine Tour bereits als gpx-datei vorliegt, kann sie mit Tools wie BRouter Web geprüft und verändert werden.

1.2 Muss eine Tour neu gezeichnet werden, geht dies ebenfalls sehr effektiv mit BRouter Web.

2. Import in den Niedersachsen Hub (über einen der möglichen Wege), Ergänzung von Beschreibung, Bildern und notwendigen Pflichtfeldern, etc.

3. Export aus dem Niedersachsen Hub als gpx-Datei und mit zusätzlichen Routenanangaben wie Beschreibung, Bild, Toureigenschaften, etc. auf vielfältigen Ausgabekanälen (z. B. eigene Website, landesweite Tourenportale, Apps, Informations-Displays, etc.)

Vertiefende Informationen zum Thema Outdoor-Navigation gibt es unter: https://www.naviso.de/

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